Wandern und Bergsteigen im Chiemgau

mit Isabella + Werner Grill

vom 12.08.2024 - 16.08.2024


Begonnen hat der Kurzurlaub mit einer entspannten Anreise über den Chiemsee mit Badeaufenthalt im Seebad Seebruck

Danach fuhren wir weiter zu unserer Pension Hotel Mariandl in Bergen.
Sehr freundlicher Empfang und tolles Zimmer.



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1. Tag: Der sanfte Start in die Sommerlaune


Wir brachen erst am späten Vormittag auf, also zu jener Uhrzeit, in der die Sonne schon deutlich signalisiert, dass sie heute keine halben Sachen machen würde. Das Badezeug war eingepackt, denn man weiß ja nie, ob sich unterwegs ein See spontan beleidigt fühlt, wenn man nicht wenigstens so tut, als wolle man hineinspringen.

Erstes Ziel: das Seebad Seebruck am Chiemsee. Dort verbrachten wir einen ausgesprochen angenehmen Badenachmittag im Schatten der Bäume — ein Ort, an dem man sich problemlos einreden konnte, man sei ein naturverbundener Mensch, obwohl man eigentlich nur der Sonne ausweichen wollte. Der Chiemsee selbst präsentierte sich in perfekter Badetemperatur: kühl genug, um wach zu werden, warm genug, um nicht gleich wieder herauszurennen.

Am späten Nachmittag ging es weiter nach Bergen. Eine halbe Stunde später rollten wir in den Ort und vor unsere Pension, die sich selbstbewusst „Hotel Mariandl“ nannte. Der Empfang war so freundlich, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekam, nur vier Nächte zu bleiben. Das Zimmer war groß, hatte einen Balkon und sogar ein zusätzliches Fenster — nicht nur Luxus sondern ein wirklicher Rettungsanker für die nächsten Nächte.
Bergen selbst ist ein kleiner Ort am Fuß des Hochfelln, ausgestattet mit vier Restaurants und einem Bistro. Für unsere vier Nächte bedeutete das: jeden Abend ein neues kulinarisches Abenteuer, ganz ohne Entscheidungsstress. Den Auftakt machten wir im Mühlwinkler Hof, wo kroatisch-bayerische Küche serviert wurde — eine Kombination, die überraschend gut funktioniert. Das Essen war hervorragend, der Biergarten wunderschön, und wir beschlossen, dass dieser Urlaub schon am ersten Abend eindeutig auf einem guten Weg war.


2. Tag: Auf zum Hochfelln


Eine fast schlaflose Nacht liegt hinter uns. Mücken, Mücken mit Blutdurst. Das Fenster war nicht zu schließen da sonst zu heiß war im Zimmer.
Also früh raus, wir hatten extra eine halbe Stunde früher fürs Frühstück ausgehandelt, damit wir möglichst früh loskonnten um bei Beginn der Mittagshitze am Gipfel des Hochfelln zu sein.

Der Aufstieg auf den Hochfelln beginnt in Bergen erstaunlich harmlos: ein paar freundliche Wegweiser, ein breiter Forstweg und das beruhigende Gefühl, dass man das alles ja „ganz gemütlich“ angehen könne. Dieses Gefühl hält ungefähr bis zur ersten ernstzunehmenden Steigung.

Bevor man sich aber überhaupt in die Höhe wagt, würde sich ein kurzer Abstecher ins Museum Maxhütte lohnen. Das kleine, aber eindrucksvolle Museum erzählt die Geschichte der alten Eisenhütte, die Bergen einst industriell geprägt hat. Zwischen historischen Maschinen und Geschichten aus der Arbeitswelt bekäme man eine Ahnung davon, wie hart es hier früher zuging — und betrachtet die eigene Wanderung plötzlich als ausgesprochen angenehme Form körperlicher Betätigung. Aber wir hatten mal wieder keine Zeit und wollten auch die Kühle am Morgen noch nutzen um gut voran zukommen.

Dann geht es los: Der Weg führt zunächst durch schattigen Wald, angenehm kühl und voller Moosduft. Man fühlt sich noch erstaunlich fit, fast schon bergtauglich. Doch je höher man steigt, desto deutlicher zeigt der Hochfelln, dass er durchaus Charakter hat.

Etwa auf halber Höhe erreicht man die Bründling Alm, die perfekte Ausrede für eine erste Pause. Eine Brotzeit hier wäre verlockend, aber man hebt sich die Stärkung lieber für später auf — schließlich wartet noch ein besonderer Platz weiter oben.

Hinter der Alm beginnt der Weg steiler zu werden, und die Serpentinen ziehen sich wie eine freundliche, aber bestimmte Erinnerung daran, dass Gipfel nicht verschenkt werden. Nach einigen Kehren erreicht man schließlich eine markante Stelle: den Durchschlupf zwischen zwei großen Felsblöcken, eine Art natürliches Tor. Hier wechselt man von der schattigen Nordseite auf die deutlich wärmere Südseite — und genau hier, im Windschatten der Felsen, ist der perfekte Brotzeitplatz.

Man sitzt geschützt, hat einen ersten Blick hinunter ins Tal, und die Felsen rahmen die Aussicht wie ein improvisiertes Bergfenster. Die Brotzeit schmeckt hier doppelt gut: ein bisschen wegen des Hungers, ein bisschen wegen des Gefühls, schon „richtig weit oben“ zu sein.

Nach dieser Pause beginnt der heiße Südaufstieg. Die Sonne meint es ernst, der Weg wird steiler, und die Vegetation dünner. Doch mit jedem Schritt öffnet sich das Panorama weiter: Chiemsee, Chiemgau, die ersten Gipfel des Kaisergebirges. Der Hochfelln zeigt jetzt seine ganze Bühne.

Oben empfängt einen das Gipfelkreuz mit stoischer Gelassenheit, und die Aussicht ist schlicht überwältigend. Im Hochfellnhaus verwandelt man sich dann endgültig vom schwitzenden Wanderer zum entspannten Brotzeit-Philosophen. Ein kühles Getränk, ein Teller Deftiges — und plötzlich wirkt der Anstieg gar nicht mehr so anstrengend.

Hier oben ergab sich auch ein ausgesprochen angenehmes Gespräch mit einem jungen Paar aus Hof. Diese zufälligen Gipfelbekanntschaften haben ja ihren ganz eigenen Charme: Man sitzt zusammen, teilt den gleichen Weg, den gleichen Schweiß, die gleiche Aussicht — und für einen Moment fühlt es sich an, als würde man sich schon länger kennen. Die beiden erzählten von ihren Touren im Fichtelgebirge, wir von unseren Plänen und unseren Erlebnissen auf unserer Radtour zur Ostsee auf der ein Etappenort ja Hof war.

Der Abstieg — für uns die bequeme Variante mit der Seilbahn — ist dann nur noch die Zugabe zu einem Tag, an dem man sich selbst bewiesen hat, dass man Berge nicht nur anschauen, sondern auch erwandern kann.

Nach den Erfahrungen der letzten Nacht hatte Isabella die glorreiche Idee dass wir zum nahegelegenen EDEKA gehen und uns für das Fenster ein Fliegengitter kaufen.
Es gab tatsächlich eines und wir gingen zurück auf unser Zimmer  und befestigten das Netz am Fenster. So, für zukünftig eindringende Insekten war vorgesorgt. Jetzt waren bloß noch ein paar verbliebene Mücken aufzustöbern und zu töten.
Jetzt noch etwas frisch machen und ab zum Abendessen ins Restaurant Athen. Dort kamen die beiden Kellner wegen Personalmangels ordentlich ins Schwitzen. Der Ouzo dagegen war bestens gelaunt und schmeckte vorzüglich.

3. Tag: Der Aufstieg von Seegatterl zum Dürnbachhorn


Am nächsten Morgen stellten wir fest: Die Nacht war erstaunlich ruhig gewesen. Abgesehen von zwei Mücken, die sich kurzzeitig für unbesiegbare Vampire hielten, aber dank schneller Reaktionsfähigkeit keine Chance hatten.

Heute wollten wir es endlich schaffen: das Gipfelkreuz des Dürnbachhorns, das uns im Winter schon zweimal frech die Zunge herausgestreckt hatte. Also nach dem Frühstück ab nach Reit im Winkl und weiter zum Seegatterl.

Dort ignoriert man am besten den breiten Forstweg, der wirkt wie die Autobahn unter den Wanderwegen, und nimmt stattdessen den kleinen, fast verschämten Steig, der sich hinter dem Seegatterl am Dürnbach entlangschlängelt. Schattig, kühl, begleitet vom Murmeln des Wassers und gespickt mit Wurzeln und moosigen Böschungen – ein Einstieg, der sofort klar macht: Heute wird’s schön.

Sobald man den Wald verlässt, steht man in einer Szenerie, die aussieht, als hätte jemand eine Postkarte und eine Almwirtschaft in einen Mixer geworfen. Die verstreute Dürnbachalm wird von vielen übersehen, weil sie lieber den breiten Weg zur Winklmoosalm nehmen. Ihr Pech. Hier riecht es nach Heu, Holz und Sommer, die Hütten liegen herum wie zufällig hingeworfen, und über allem thront das Dürnbachhorn, das schon mal prüfend schaut, ob wir heute ernst machen.

Dann die Weggabelung: links die gemütliche Variante, rechts die steilere, schönere. Natürlich nahmen wir die steilere – man hat ja seinen Stolz.

Der Weg ist nie schwierig, aber konsequent steil, bis man zum Sattel mit der historischen Sesselbahn quert. Mit jedem Schritt wird die Aussicht großzügiger: Steinplatte, Loferer Steinberge, und hinter uns breitet sich das Almplateau der Dürnbachalm aus wie ein grüner Teppich.

Der Sattel selbst wäre unscheinbar, würde nicht die altehrwürdige Sesselbahn dort stehen – ein Relikt aus einer Zeit, in der man noch ohne Hightech und Vollverglasung in die Berge schwebte. Und hier merkt man plötzlich: Der Gipfel ist zum Greifen nah.

Nach einer kurzen Brotzeit im Schatten der Kiefern ging’s weiter. Der Gipfelgrat ist breit und freundlich, ein kurzer Schlussakt – und oben öffnet sich ein Panorama, das fast unverschämt reichhaltig ist.

Wow. Einfach nur wow.

Hochfelln im Nordwesten, die Kampenwand schon in Lauerstellung für morgen, das Sonntagshorn als massiger Grenzwächter zwischen Bayern und Salzburg, im Südosten Hochkalter und Watzmann, im Süden der Wilde Kaiser, im Südwesten das Fellhorn, das wir schon von der Eggenalm aus bestiegen hatten. Ein Rundblick, der einem fast die Brotzeit aus der Hand fallen lässt.

Nach einer ausgedehnten Aussichtspause stiegen wir wieder zum Sattel ab, gönnten uns ein Getränk auf der Terrasse der Bergstation und setzten uns dann in die historische Einsesselbahn. Ein kleines alpines Denkmal – und eine Fahrt, die so langsam ist, dass man zwischendurch Zeit hat, über sein Leben nachzudenken. Oder kurz einzuschlafen, was mir tatsächlich passiert ist. Man schwebt eben wie in einem offenen Wohnzimmerstuhl über die Alm, nur ohne Polster.

Unten auf der Winklmoosalm ging’s direkt weiter zur Wirtschaft Sonnenalm für eine ordentliche Brotzeit. Die Winklmoosalm ist weniger eine Alm als ein ganzes Almdorf – groß, weit, geschichtsträchtig und dank Mautstraße im Sommer gut besucht. Aber schön bleibt sie trotzdem. Sanfte Wiesen, Kühe wie aus dem Bilderbuch, und der Blick schweift bis zur Steinplatte.

Nach der Brotzeit wollten wir knieschonend mit der Gondel zurück zum Seegatterl gleiten. Tja. Blöd nur, dass die Bahn im Sommer Pause macht. Also blieb nur die Forststraße – eine Stunde Abstieg, landschaftlich solide, aber nicht gerade ein Feuerwerk der Abwechslung.

Danach ging’s ins Naturbad in Bergen. Badezeug hatten wir zum Glück dabei. Der Eintritt war frei, weil ein Becken wegen Personalmangels geschlossen war – das Naturbecken reichte aber völlig, um runterzukühlen und ein paar Bahnen zu ziehen.

Dritter Abend, drittes Restaurant: diesmal der Italiener, die Pizzeria Flamingo. Gute Pizza, gutes Bier und ein Sambuca, der eindeutig in die Kategorie „sehr gut“ fiel. In die Pension wollten wir danach noch nicht zurück – schließlich war dank Mückenmangel eine ruhige Nacht mit reichlich Schlaf zu erwarten. Also gönnten wir uns noch einen Absacker in der Bar DaCapo.

4. Tag: Wenn i mit meina Wampen kannt dann steigad i aafd
Kampenwand


Frei nach dem Motto der Überschrift wollten wir heute die 1664 m hohe Kampenwand in Angriff nehmen. Beim Frühstück wartete allerdings erst der Pensionswirt auf uns – hocherfreut darüber, dass wir ein Fliegengitter montiert hatten. Er wollte sofort wissen, wo man so etwas bekommt. Wir konnten ihm den EDEKA um die Ecke empfehlen, und als Dank spendierte er uns eine Halbe aus dem Gästekühlschrank. Die hoben wir uns natürlich für den Abend auf – man ist ja diszipliniert.
Nach dem Frühstück fuhren wir nach Hohenaschau und stellten das Auto am Parkplatz der Kampenwandbahn ab. Dann ging’s los, vorbei am Messerwerk Damaszenerstahl, bis wir endlich von der Teerstraße wegkamen und den historischen
Reitweg erreichten. Dieser wurde zwischen 1876 und 1879 vom Nürnberger Industriellen Theodor von Cramer-Klett angelegt, der sich Schloss Hohenaschau samt Ländereien gekauft hatte und einen bequemen Zugang zu seinem Jagdhaus wollte. Legendär ist der Transport des Gipfelkreuzes im Jahr 1949: Maultiere schleppten 54 Zentner Eisen über genau diesen Weg zur Steinlingalm, von wo aus das Kreuz mit einer Handwinde zum Gipfel gezogen wurde. Das 12 m hohe Chiemgaukreuz steht bis heute – das größte Gipfelkreuz der Bayerischen Alpen.
Über den Reitweg erreichten wir zuerst die Schlechtenberg-Alm und kurz darauf die Steinlingalm. Warm war’s dort oben – sehr warm. Eine Brotzeit? Ja, aber nur kurz über der Alm, denn wir wollten ja noch hinauf.
Bald wurde der Weg steinig und steil, und die Hände mussten für kleine Klettereien herhalten. Dann tauchten wir in die
Kaisersäle ein – diese beeindruckende, schluchtartige Passage direkt unterhalb des Ostgipfels. Die Kampenwand wirkt von unten wie eine gezackte Felsmauer, und genau darin öffnet sich dieser natürliche Gang. Kühl, schattig, steil – eine Art Felskathedrale, die Respekt einflößt, aber nicht einschüchtert.
Die nächste Passage war mir dann allerdings etwas zu respekteinflößend, sodass ich die letzten zehn Höhenmeter lieber Isabella überließ. Die Aussicht Richtung Chiemsee war aber auch von meinem „Ausstiegspunkt“ aus großartig.
Nachdem Isabella wieder vom Chiemgaukreuz zurück war, kletterten wir gemeinsam zur Steinlingalm hinunter und gönnten uns ein Getränk und eine ordentliche Brotzeit. Danach ging es über den Panoramaweg Richtung Bergstation der Kampenwandbahn. Unterwegs konnte ich am Staffelstein noch schnell meinen eigenen kleinen Gipfel samt Kreuz „mitnehmen“.
Bevor wir mit der Bahn knieschonend ins Tal schwebten, kehrten wir noch in der gut besuchten Sonnenalm ein – es war heiß, und Flüssigkeit war eindeutig ein Thema.
Auf dem Rückweg zur Pension machten wir erneut Halt im schönen Naturbad in Bergen. Diesmal mussten ein Weißbier und eine Portion Pommes vom Badkiosk einfach sein.
Am Abend stand dann das vierte Restaurant unserer kleinen kulinarischen Rundreise an:
Sabines Meindl Alm. Gemütlich, gut, entspannt – ein schöner Abschluss. Und wie es sich gehört, gab’s danach noch einen letzten Absacker im DaCapo. Ein würdiger Schlusspunkt unserer Bergtage.

5. Tag:  Wanderschuhe aus, Haferlschuhe, Lederhose und Dirndl an


Eigentlich wollten wir heute noch eine kleine Wanderung dranhängen, aber: Zuhause lief das Gäubodenfest in Straubing, und unsere Tochter Mirjam hatte angekündigt, dort mit ihren Freunden aus Uruguay und England einen Abend zu feiern. Da wir uns alle schon länger nicht mehr gesehen hatten, wollten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen.
Also checkten wir früh am Vormittag aus und fuhren schnurstracks heim. Kurz ausruhen, daheim alles inspizieren, dann rein in Lederhose bzw. Dirndl – und ab nach Straubing ins von uns liebevoll „Vofe“ genannte Volksfest.
Die ganze Rasselbande fanden wir im Nothaft-Zelt, einem der Zelte mit dem besten Bier: dem Karmeliten Festbier. Zwei Maß und 200 Gramm Kas mussten da schon sein. Wir verbrachten eine richtig schöne Zeit zusammen und frischten ganz nebenbei auch unsere Englischkenntnisse wieder auf.
Auf dem Heimweg durfte dann noch eine große Chili-Essiggurke aus dem Fass nicht fehlen – Tradition ist Tradition.
Ein rundum gelungener Abend auf dem Gäubodenfest und ein perfekter Abschluss unserer Bergtage im Chiemgau.


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Dankeschön!

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Betreff: "Bergen" an meine e-mail Adresse schreiben: wgrill@web.de.