Radreise an den Balaton und nach Budapest
12 Tage unterwegs durch Österreich und Ungarn
Zusammenfassung einiger Highlights
Übrigens: Wenn Ihr über einen der Werbelinks von check24.de einkauft, bekomme ich eine kleine Gratifikation ohne dass das Produkt oder die Buchung für Euch mehr kostet. Es kann auch ein ganz anderer Einkauf sein, wenn Ihr über diesen link oder Werbebanner geht.
Tipp:
Bei geöffneter Seite auf PC- oder Labtop:
Mit einem Rechtsklick auf die Bilder, öffnet sich ein Pop-Up-Menü und ihr könnt die Bilder groß in einem neuen Tab anzeigen lassen.
Tag 1 – Waden-Warm-up nach Passau: Der Zwiebellook-Auftakt
Schellnbach → Passau
Datum: Freitag, 24.04.2026
Distanz: 86 km | Höhenmeter: 330 hm
Am Freitag, den 24. April, fiel der Startschuss zu unserer großen Radreise. Schellnbach verabschiedete uns um 08:30 Uhr mit sportlichen 8 Grad – ein Wetter, das nach dem klassischen Zwiebelprinzip schrie. Eingepackt in 3/4-Hose, Merino-Shirt, Radlshirt, Windstopper und Ärmlinge fühlten wir uns eher wie Polarforscher als wie Genussradler.
Doch die bayerische Sonne hatte ein Einsehen: Schon nach acht Kilometern beim ersten Boxenstopp zum Proviantfassen beim Netto in Schwarzach musste das Merino-Shirt weichen.
Über Offenberg und Metten radelten wir uns warm, bis wir schließlich Deggendorf durchquerten und auf den Donauradweg einschwenkten. Kurz vor der Wallfahrtskirche Halbmeile war eigentlich ein entspannter Fotostopp geplant. Die kleine, barocke Kirche ist ein stilles Juwel direkt am Strom, doch die Realität der A3-Erweiterung auf sechs Spuren holte uns ein. Die Straßenbauer hatten den Radweg kurzerhand „abgegraben“, sodass wir unfreiwillig auf eine Umleitung Richtung Niederalteich geschickt wurden. Das Kloster dort mit seinen zwei markanten Türmen ist zwar immer einen Blick wert, aber die Extrakilometer waren nicht ganz im Sinne der Erfinder.
Weiter ging es bis Winzer, wo die Burgruine majestätisch über der Donau wacht, und schließlich nach Flintsbach. Unter einer gewaltigen Pappel machten wir Mittagspause mit bestem Blick auf das Ziegel- und Kalkmuseum, ein Denkmal für die Industriegeschichte der Region. Kurz nach Hofkirchen – bekannt durch die Bogener Kerzenwallfahrer, die hier starten – zog die Burgruine Hilgartsberg unsere Blicke auf sich.
In Windorf, kurz nach Vilshofen, war Zeit für eine Koffein-Spritze. Auf der Terrasse des Hotels „Zum goldenen Anker“ genossen wir den Kaffee und den Blick auf die glitzernde Donau, bevor wir die finalen Kilometer nach Passau in Angriff nahmen. Über die Schleuse Kachlet, ein beeindruckendes Bauwerk der Flussschifffahrt, querten wir die Donau und rollten direkt hinein in die Dreiflüssestadt.
Am Rathausplatz angekommen, war es Zeit für das verdiente Belohnungsgetränk. Während wir die Beine ausstreckten, bot sich uns ein Schauspiel: Eine bunte Mischung aus amerikanischen und japanischen Kreuzfahrttouristen wuselte zwischen den Anlegestellen hin und her, während direkt daneben ein Hochzeitspaar den Empfang vor dem Standesamt feierte. Ein scharfer Kontrast zwischen globalem Tourismus und lokaler Romantik.
Der letzte Kilometer führte uns zum Hotel Spitzberg. Nach der Dusche schlüpften wir in unsere „Abendgarderobe“ – die eigentlich jeden Tag die gleiche war, denn das Packmaß eines Radlers kennt kein Erbarmen mit modischen Ambitionen. Den Tag ließen wir im urigen Wirtshaus „Bayerischer Löwe“ ausklingen. Obwohl uns viele Wege dieser Etappe vertraut waren, war es doch ein Auftakt voller neuer Eindrücke.
Fazit: 86 Kilometer und 330 Höhenmeter zum Einrollen haben bewiesen: Der Donauradweg ist auch auf bekannten Teilstücken für eine Überraschung (oder eine Baustelle) gut.


Tag 2 – Ein mächtiger Strom durch ein enges Tal: Der Ritt nach Linz
Passau - Linz
Datum: Samstag, 25.04.2026
Distanz: 98 km | Höhenmeter: wieder 330 hm,
Am nächsten Morgen starteten wir bei recht frischen Temperaturen zu einer der absoluten Parade-Strecken des Donauradwegs. Es ging direkt hinein in das beeindruckende Donau-Engtal, wo sich der Strom tief in das Kristallin des Bayerischen Waldes und des Mühlviertels gegraben hat. Wir rollten vorbei an der Donau-Nixe Isa, passierten Erlau und erreichten Obernzell. Der Ort ist ein echtes Schmuckstück mit seiner prachtvollen Uferpromenade und dem markanten Schloss, das als einziges erhaltenes Renaissance-Schloss in Niederbayern direkt am Fluss wacht. Kurz darauf erreichten wir das Kraftwerk Jochenstein mit dem legendären Jochenstein. Dieser markante Felsen ragt mitten aus der Donau empor und markiert nicht nur die Grenze zwischen Bayern und Österreich, sondern ist laut Sage auch die Heimat der Nixe Isa.
Nachdem wir die Grenze überquert hatten, querten wir bei Niederranna die Donau. Da wir bereits Ende April unterwegs waren, wollten wir kein Risiko mit den Fährzeiten in Schlögen eingehen und uns unnötige Wartezeiten ersparen.
Über Wesenufer radelten wir weiter bis nach Schlögen, dem Ort, an dem die Donau eine spektakuläre 180-Grad-Wende hinlegt. Hier hieß es: Räder parken und ab in die Wanderschuhe.
Wir stiegen hinauf zum Schlögener Blick. Von dort oben bietet sich ein umwerfendes Panorama auf die Schlögener Schlinge, bei der der Fluss zweimal die Richtung ändert – ein Anblick, der jede Anstrengung wert ist. Sogar mein etwas angeschlagener Fuß spielte bei dieser Wanderung schmerzfrei mit, was die Freude noch vergrößerte.
Nach einer kurzen Brotzeit bei den Rädern nahmen wir die restliche Strecke unter die Pedale. Wir passierten Aschach an der Donau und kürzten eine Donauschleife über Rosenleithen ab, bevor wir Ottensheim erreichten. Im dortigen Park gönnten wir uns bei einem Kiosk einen verdienten Nachmittags-Eiskaffee.
Die letzten Kilometer führten uns über Puchenau direkt hinein nach Linz, die oberösterreichische Landeshauptstadt, die den perfekten Spagat zwischen moderner Industrie und historischem Charme schafft. Angekommen am imposanten Hauptplatz, einem der größten umbauten Plätze Europas mit der markanten Dreifaltigkeitssäule, gab es das obligatorische Belohnungsgetränk: ein kühles Bier für mich und einen „Holy Aperoli“ für Isabella.
Nach einem Kilometer inklusive einer kurzen Altstadtrunde erreichten wir das Leonardo Boutique Hotel. Von dort hatten wir einen grandiosen Blick auf den Neuen Dom, die flächenmäßig größte Kirche Österreichs, deren Turm nur deshalb nicht höher als der des Wiener Stephansdoms ist, weil das in der Kaiserzeit schlicht verboten war.
Es folgte das bewährte Radreise-Ritual: Duschen, Beine hoch, Umziehen.
Zum Abendessen zog es uns in das Restaurant Stiegl-Klosterhof. Das Lokal ist eine Institution in Linz und bietet mit seinem riesigen Gastgarten und den historischen Räumlichkeiten in einem ehemaligen Freihaus des Stifts Kremsmünster die perfekte Kulisse für einen zünftigen Tagesabschluss. Ein rundum gelungener Tag!
Fazit: 98 Kilometer, die gezeigt haben, dass man für die besten Ausblicke manchmal die Räder stehen lassen muss – und dass ein regionales Bier die ideale Belohnung für einen schmerzfreien Fuß ist.






Tag 3 – Industrie-Riesen, keltische Hütten und B3 - Nervenkitzel: Die Etappe nach Melk
Linz → Melk
Datum: Sonntag, 26.04.2026
Distanz: 104 km | Höhenmeter: ca. 180 hm
Der nächste Morgen begann wieder frisch, aber echtes Kaiserwetter lockte uns schnell auf die Sättel. Gleich beim Verlassen von Linz querten wir die Donau, um auf der linken Seite Richtung Steyregg Fahrt aufzunehmen. Auf der gegenüberliegenden Flussseite zog das gewaltige Areal der Voestalpine an uns vorbei. Das Werk ist das industrielle Herz von Linz und einer der größten Stahlstandorte Europas – die gigantischen Hochöfen und rauchenden Schlote direkt am Flussufer bieten einen faszinierenden, fast schon futuristischen Kontrast zur Natur.
Kurz darauf passierten wir die Stelle, an der die Traun in die Donau mündet. Später querten wir den Finstergrabenbach kurz vor seiner Mündung und bogen dann vorübergehend von der Donau ab. Der Weg führte uns über Sankt Georgen an der Gusen, wo wir die Gusen überquerten, bevor uns die Route wieder zurück zum Strom leitete.
Bei Mauthausen erreichten wir das Donauufer wieder. Der Ort ist weltweit bekannt für die Gedenkstätte Mauthausen, das ehemalige größte Nationalsozialistische Konzentrationslager auf österreichischem Boden, das heute als Mahnmal und Ort der Erinnerung hoch über dem Markt thront.
Wir folgten dem Fluss weiter bis Au an der Donau, wo wir den klassischen Radweg verließen, um über den Machlandweg entlang des Baches Naarn eine weite Donauschleife abzukürzen. Bei Mitterkirchen legten wir einen Stopp beim Keltendorf Mitterkirchen ein. Dieses Freilichtmuseum rekonstruiert ein hallstattzeitliches Dorf mit originalgetreu nachgebauten Wohnhäusern, Werkstätten und einer herrschaftlichen Grabanlage, wodurch das Leben der Menschen vor rund 2.700 Jahren greifbar wird. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten, zog es uns wieder zurück zur Donau bis nach Grein.
Mit Grein erreichten wir den spektakulären Eintritt der Donau in den Strudengau. Dieses Engtal war wegen seiner gefährlichen Strudel und Felsen im Wasser jahrhundertelang der Albtraum aller Donauschiffer; Grein selbst ist ein malerisches Städtchen mit dem ältesten Stadttheater Österreichs und dem majestätischen Schloss Greinburg. Wir radelten vorbei an der Burgruine Werfenstein, einer einst strategisch wichtigen Festung auf einem steilen Felsen, bis nach Sankt Nikola an der Donau, einem alten Schifferort mit einer wechselvollen Geschichte.
Da wir diesen Abschnitt bei einer früheren Radreise bereits auf der rechten Donauseite erkundet hatten, entschieden wir uns diesmal für die linke Seite – was sich im Nachhinein als kleiner Fehler herausstellte. Wir mussten nämlich einige Kilometer auf der vielbefahrenen B3, der Österreichischen Romantikstraße, zurücklegen, die an dieser Stelle leider weder einen Fahrradstreifen noch einen extra Radweg bietet. Unser großes Glück: Es war Sonntag, weshalb kaum Schwerverkehr unterwegs war, und für Motorrad- und Ausflugshorden war es noch zu früh in der Saison.
Weiter ging es durch das wunderschöne, waldreiche Engtal vorbei an den geschichtsträchtigen Orten Sarmingstein, Hirschenau und Weins bis nach Persenbeug, das für sein imposantes Schloss und das erste große Donaukraftwerk Österreichs bekannt ist. Hier kürzten wir mal wieder eine Donauschleife ab und rollten recht schnell nach Gottsdorf ein. Dort entdeckten wir eine hervorragende Eisdiele, die uns neben erstklassigen Kugeln auch einen fantastischen Blick hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Taferl bot, die hoch oben auf einem Felsen thront.
Schließlich erreichten wir das Kraftwerk Melk, über dessen Schleuse wir die Donau querten. Dabei bot sich uns ein herausragender Postkartenblick auf das weltberühmte Stift Melk. Das barocke Meisterwerk in seinem typischen, leuchtenden „Melker Gelb“ thront wie eine Krone auf einem Felsrücken über der Stadt und verlangte geradezu nach einem ausgiebigen Fotostopp.
Das Stift ist seit über 900 Jahren ununterbrochen von Benediktinermönchen bewohnt und gilt als eines der größten und schönsten Barockensembles Europas. Gegründet im 11. Jahrhundert von den Babenbergern, wurde es im 18. Jahrhundert von Jakob Prandtauer völlig neu im Prunkstil des Hochbarocks erbaut. Besonders berühmt ist das Stift für seine gigantische Bibliothek, die über 100.000 Bände und unschätzbare mittelalterliche Handschriften beherbergt – sie diente sogar dem Autor Umberto Eco als Inspiration für seinen Weltbestseller „Der Name der Rose“. Auch die Stiftskirche mit ihrer riesigen, 64 Meter hohen Kuppel und den prachtvollen Goldverzierungen gilt als absolutes Meisterwerk barocker Malkunst.
Kurz darauf kamen wir unterhalb des majestätischen Klosters am Schiffsanleger der Flusskreuzfahrer an, von wo aus es nur noch ein kurzer Katzensprung hinauf in die historische Altstadt von Melk war. Die obligatorischen Belohnungsgetränke waren nach dieser Etappe natürlich Pflicht. Während Isabella sich trotz der Kilometer in den Beinen spontan entschied, noch den Spaziergang hinauf zum Stift zu wagen, um den prachtvollen Prälatenhof und den barocken Stiftspark aus der Nähe zu bewundern, machte mein leicht angeschlagener Fuß eine kaiserliche Pause nötig. Ich blieb lieber in der warmen Sonne sitzen, genehmigte mir eine zweite Halbe Bier und nutzte die Zeit für einen netten Plausch mit den Tischnachbarn, die mir prompt ein paar wertvolle Geheimtipps für unsere kommende Tour am Plattensee verraten konnten. Zum Abschluss des Tages checkten wir ein paar Meter weiter im traditionsreichen „Rathauskeller“ ein, wo wir ein uriges Zimmer mit gemütlichem Gewölbe bezogen und den Abend bei einem richtig guten, deftigen Essen im hauseigenen Restaurant ausklingen ließen.
Fazit: Eine Etappe voller Gegensätze – vom modernen Stahlwerk über geschichtsträchtige Engtäler bis hin zum barocken Prunk von Melk –, die uns gelehrt hat, dass man auf der B3 zwar starke Nerven, in den Gottsdorfer Eisdielen dafür aber umso besseren Ausblick bekommt.



Tag 4 – Über Stock, Stein und Bergsättel: Die unkonventionelle Fahrt ins Triestingtal
Melk - Weissenbach an der Triesting
Datum: Montag, 27.04.2026
Distanz: 91 km | Höhenmeter: ca. 890 hm
Wer glaubt, von Melk aus gäbe es für Radler nur die klassische, flache Einflugschneise über den Donau-Radweg hinein in die Wachau und weiter nach Wien, der irrt gewaltig.
Wir bewiesen das Gegenteil und brachen an einem herrlich frischen Morgen auf, um Melk in südöstlicher Richtung den Rücken zu kehren. Schon nach wenigen Kilometern erreichten wir die Pielach und bogen auf den Pielachtalradweg ein, der auch als „Tal der Dirndln“ (Kornelkirschen) bekannt ist und sich sanft durch das niederösterreichische Mostviertel schlängelt.
In Albrechtsberg war uns die sanfte Route allerdings zu langweilig: Wir kürzten eine Flussschleife ab und erkauften uns die Abkürzung mit einer knackigen Rampe von satten 15 % Steigung. Die Oberschenkel brannten sofort, aber die Belohnung folgte auf dem Fuße: Unser allererster Singletrail dieser Reise führte uns auf feinstem Waldboden rasant bergab zurück an die Pielach. Lange blieben wir dem Flussbett jedoch nicht treu, denn die nächsten Höhenmeter warteten schon – diesmal traten wir hinauf auf den Eidletzberg. Auf einer schmalen Asphaltstraße rollten wir anschließend, vorbei an der geschichtsträchtigen Osterburg – einer weithin sichtbaren, mittelalterlichen Burganlage aus dem 12. Jahrhundert –, steil hinab ins Tal.
Weiter ging es in flotter Fahrt entlang der Pielach, vorbei an den gemütlichen Mostviertler Gemeinden Wimpassing, Pfaffing, Prinzersdorf und Loipersdorf, wo wir dem Fluss endgültig Lebewohl sagten.
Nun hieß es: Kette hinten links, denn es ging hinauf zum Grillenberg. Das dortige Areal ist in der Region kein Unbekannter: Das weitläufige, hügelige Gelände dient unter anderem als anspruchsvolles Testgelände und Offroad-Areal, auf dem sonst schwere Maschinen und Allradfahrzeuge auf Herz und Nieren geprüft werden.
Wir streiften die Außenbezirke der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten und erreichten schließlich St. Georgen am Steinfelde, wo wir auf die Traisen stießen.
Die Traisen ist einer der größten Nebenflüsse der Donau in dieser Region; ihr Tal bildet den Übergang von den sanften Hügeln des Alpenvorlandes hin zu den schroffen Kalkalpen.
Wir folgten dem kühlen Band der Traisen flussaufwärts bis zum gleichnamigen Ort Traisen, wo die Gölsen in den Fluss mündet. Das Gölsental öffnet sich hier als malerisches, waldreiches Tal, das die Ausläufer des Wienerwaldes von den Gutensteiner Alpen trennt. In St. Veit an der Gölsen bewiesen die lokalen Straßenbauer dann wieder einmal vollen Einsatz: Sie hatten uns den Radweg komplett „abgegraben“, sodass wir für ein paar hundert Meter unfreiwillig auf die Hauptstraße ausweichen mussten.
Unbeirrt folgten wir der Gölsen weiter über Rohrbach bis nach Hainfeld, der historisch bedeutenden Industriestadt, die als Wiege der österreichischen Sozialdemokratie gilt und eingebettet in saftige Wiesen liegt. In Hainfeld bogen wir vom Gölsental ab und folgten dem idyllischen Ramsaubach bis in das beschauliche Dorf Ramsau.
Ab jetzt wurde es so richtig anstrengend – aber landschaftlich auch absolut grandios. Steil schraubte sich eine schmale Straße hinauf nach Unter-Fahrenberg. Oben angekommen, öffnete sich ein weitläufiges, fast schon alpines Almengebiet, geprägt von stolzen Großbauernhöfen, bis wir schließlich den Sattel über dem geschichtsträchtigen Baumgartnerhof erreichten. Bei einer phänomenalen Panoramaaussicht verschnauften wir ausgiebig, knipsten die obligatorischen Beweisfotos und beglückwünschten uns lautstark zu dieser genialen, wenn auch schweißtreibenden Routenwahl.
Vom Sattel aus ließen wir die Räder steil hinabrollen und erreichten bei Kaumberg das Triestingtal. Dieses markante Tal, eingebettet in die sanften Ausläufer des Wienerwaldes auf der einen und die schrofferen Gutensteiner Alpen auf der anderen Seite, verbindet das alpine Hinterland direkt mit dem Wiener Becken. Landschaftlich ist es ein wunderschönes Wechselspiel aus dichten Nadelwäldern, saftigen Wiesen und markanten Kalksteinfelsen. Historisch spielte das Triestingtal durch die Wasserkraft des Flusses eine riesige Rolle während der Industrialisierung, wovon heute noch alte Fabrikgebäude zeugen, während es gleichzeitig als Teil der traditionsreichen Kulturlandschaft des Most- und Industrieviertels gilt.
Wir rollten weiter talabwärts über Thenneberg und Altenmarkt an der Triesting, bis wir Weissenbach erreichten. Diese Region ist tief verwurzelt in der Geschichte: Wir befanden uns hier auf den Spuren der Via Sacra, dem jahrhundertealten, traditionellen Pilgerweg, der die Gläubigen von Wien bis nach Mariazell führt. Direkt neben der markanten Wallfahrtskirche zum Leidenden Heiland in Thenneberg – einem barocken Kraftort am Wegesrand – entdeckten wir ein kleines, gemütliches Café. Die perfekte Gelegenheit, um mit Koffein die finale Etappenankunft in Weissenbach vorzubereiten.
In Weissenbach bogen wir auf die letzten zwei Kilometer ab und folgten dem Further Bach, um zu unserem Tagesziel zu gelangen: dem traditionsreichen Gasthof zur Bruthenne. Der Gasthof macht seinem urigen Namen alle Ehre und ist in der Gegend als echter Familienbetrieb für seine bodenständige Gastlichkeit bekannt. Bevor wir überhaupt an das Beziehen der Zimmer dachten, war das obligatorische Belohnungsgetränk in der warmen Nachmittagssonne natürlich absolute Pflicht.
Abends hielten die Wirtin und die Seniorwirtin am Herd, was das Ambiente versprach: Es wurde richtig gute, ehrliche Hausmannskost aufgetischt. Es hat fantastisch geschmeckt, war urgemütlich und die verbrannten Kalorien des Tages waren im Nu wieder reingeholt.
Fazit: Wer braucht schon den flachen Donauradweg, wenn man 15 % Steigung, versteckte Singletrails, ein Offroad-Testgelände und den alpinen Zauber der Via Sacra haben kann? Ein genialer Tag abseits der Masse!




Tag 5 – Durchs Industrieviertel und über ungarische Grenzwelten
Weissenbach an der Triesting - Bük
Datum: Dienstag, 28.04.2026
Distanz: 109 km | Höhenmeter: ca. 740 hm
Dieser Morgen meinte es sportlich mit uns – bei frostigen 5 °C klickten die Schuhe in die Pedale, während der Traum von Ungarn als wärmender Gedanke im Kopf mitrollte. Von der Bruthenne aus fuhren wir zunächst die zwei Kilometer zurück nach Weissenbach an die Triesting, um dem Flusslauf weiter talabwärts zu folgen. Unser erster Stopp im Tal war Pottenstein, ein historischer Markt, der von der stolzen Burgruine Pottenstein überragt wird. Gleich danach rollten wir durch Berndorf, die berühmte „Krupp-Stadt“. Hier hat die Industriellenfamilie Krupp im 19. Jahrhundert nicht nur die Wirtschaft angekurbelt, sondern das gesamte Stadtbild geprägt. Absolut sehenswert und kurios sind die Berndorfer Stilklassen – Schulzimmer, die komplett in verschiedenen historischen Stilen vom alten Ägypten bis zum Barock eingerichtet sind.
Wir folgten der Triesting weiter bis Enzesfeld-Lindabrunn, einer sympathischen Doppelgemeinde am Rande des Wiener Beckens, die vor allem für ihren wunderschönen Symposion-Urbanus-Skulpturenspark bekannt ist. Hier verließen wir das Triestingtal definitiv, bogen nach Süden ab und steuerten auf die geschichtsträchtige Landschaft des Steinfeldes zu.
Über Matzendorf und Felixdorf – beides Orte, die stark von der Textilindustrie des letzten Jahrhunderts und modernen Wohnsiedlungen geprägt sind – ging es weiter nach Theresienfeld. Diese Gemeinde wurde 1763 von Kaiserin Maria Theresia als kolonistisches Ackerdorf inmitten der kargen Heidelandschaft gegründet, wovon heute noch das schnurgerade, künstlich angelegte Bewässerungssystem zeugt.
Kurz darauf fuhren wir in Wiener Neustadt ein, der zweitgrößten Stadt Niederösterreichs. Die einstige kaiserliche Residenzstadt strotzt nur so vor Geschichte; am spätromanisch-gotischen Liebfrauendom machten wir einen kurzen Fotostopp, um die beeindruckenden Türme festzuhalten. Nach der Stadtdurchquerung querten wir die Leitha, die hier die historische Grenze zwischen Österreich und Ungarn (Cisleithanien und Transleithanien) bildete. Kaum kamen wir nach Neudörfl, ereilte uns das mittlerweile fast schon vertraute Schicksal: Man hatte uns mal wieder den Radweg abgegraben! Also hieß es improvisieren und einen kleinen Umweg über Waldwege nehmen.
Wenig später in Bad Sauerbrunn – der traditionsreichen Kurgemeinde mit der ältesten Magnesiumquelle Österreichs – der nächste Schock: Kruzitürken, schon wieder war unsere geplante Strecke einfach komplett weggebaggert! Also kurvten wir fluchend durch das gepflegte Kurgelände.
Nun ging es hinein in den Naturpark Rosalia-Kogelberg, eine traumhafte Landschaft geprägt von Erdbeerfeldern, Kastanienbäumen und sanften Weingärten, bis wir Mattersburg erreichten. Die Stadt wird von der mächtigen Eisenbahn-Viaduktbrücke dominiert und ist das wirtschaftliche Zentrum der Region.
Direkt nach Mattersburg war es dann aber vorbei mit „sanft“: Auf einem unbefestigten Feldweg ging es das erste Mal auf dieser Reise so steil bergauf, dass an Fahren nicht mehr zu denken war – wir mussten die Räder schieben. Oben angekommen wurden wir an einer idyllischen Hubertuskapelle aber fürstlich belohnt. Ein traumhafter Brotzeitplatz mit Bankerl und einer grandiosen Aussicht bot uns den perfekten Ort zum Verschnaufen – und einen Logenblick auf die Hügelkette, die sich uns jetzt gleich in den Weg stellen sollte. Unten in Rohrbach angekommen, freuten wir uns eigentlich auf den sogenannten Jubiläumsradweg, der uns durch die Rosalia hinauf in den Sieggraben bringen sollte.
Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß: Der Radweg entpuppte sich als reine Mogelpackung und war alle paar Kilometer lediglich durch ein aufgemaltes weißes Fahrrad auf dem Asphalt der Bundesstraße B50 (der Burgenlandstraße) gekennzeichnet. Keine Fahrradspur, kein extra Weg. Unser großes Glück war, dass die Schnellstraße S21 parallel verläuft, wodurch uns auf diesen fünf Kilometern schweißtreibendem Bergauf der Schwer- und Fernverkehr komplett erspart blieb. Und steil war es! In Sieggraben wartete zum Finale noch eine fiese 15%-ige Rampe auf uns, bevor wir die Räder endlich rasant hinab nach Tschurndorf und Weppersdorf rollen lassen konnten.
Über Neutal, Oberpullendorf und Großmutschen steuerten wir geradewegs auf die ungarische Grenze bei Lutzmannsburg zu. Diese Region, das sogenannte Mittelburgenland, ist als „Blaufränkischland“ ein absolutes Mekka für Rotweinliebhaber. Was uns hier sofort auffiel: Die Orte waren ab hier zweisprachig (Deutsch und Ungarisch) beschildert, ein schönes Zeichen für die gelebte Geschichte dieser Grenzregion.
Die letzten 10 Kilometer waren schließlich pure Entspannung: Schnurgerade und völlig eben rollten wir über Zsira unserem Tagesziel Bük entgegen. Bük ist weit über die Grenzen hinaus bekannt für sein weltberühmtes Heil- und Erlebnisbad, dessen thermalwasserhaltige Quellen durch Zufall bei Erdölbohrungen in den 1950er Jahren entdeckt wurden.
Wir quartierten uns glücklich im Park Hotel ein. Der erste Gang führte uns direkt zum Geldautomaten der nächstgelegenen Bank, um uns mit ein paar ungarischen Forint einzudecken. Zum krönenden Abschluss des Tages ließen wir uns im Hotelrestaurant nieder: Ein vorzügliches, echtes ungarisches Gulasch brachte die Lebensgeister zurück in unsere müden Knochen.
Fazit: Von frostigen 5 °C im Industrieviertel über weggebaggerte Radwege bis zu steilen Rampen. Ungarn muss man sich eben erst hart erkämpfen, um es sich dann als Gulasch schmecken zu lassen!





Tag 6– Kabel-Salat, vergessenes Ungarn und das kaiserliche Erwachen am Balaton
Bük - Keszthely
Datum: Mittwoch, 29.04.2026
Distanz: 114 km | Höhenmeter: ca. 390 hm
Der Tag begann, sagen wir es höflich, etwas unentspannt. Obwohl uns der Rezeptionist vom Vortag versichert hatte, dass es erst ab 8 Uhr Frühstück gibt, standen wir als pflichtbewusste Radler bereits um halb acht auf der Matte. Dumm nur, dass der gute Mann auch für die Küche zuständig war und noch im tiefsten Vorbereitungsstress steckte. Seine Begeisterung über unser verfrühtes Erscheinen hielt sich sichtlich in Grenzen, aber immerhin durften wir schon mal Platz nehmen. Zu allem Überfluss streikte dann auch noch der Kaffeeautomat. Wenn der Motor am Morgen keinen Treibstoff bekommt, muss eben Tee als Notlösung herhalten. Erst als sich ein weiterer Gast lautstark über den Koffein-Notstand beschwerte, startete der Servicemann einen Rettungsversuch – leider erfolglos. Am Ende siegte aber die ungarische Gastfreundschaft: Er brachte uns frisch gebrühten Kaffee vom Thekenautomaten, und der war glücklicherweise richtig gut.
Danach hieß es: Ab in die Pedale! Bei wolkenverhangenem Himmel und einer absoluten Saukälte rollten wir gen Osten aus Bük hinaus. Schon im nächsten Dorf kam der filmreife Realitätscheck. Uns wurde sofort klar, dass das herausgeputzte Bük absolut nicht stellvertretend für das ungarische Landleben steht. Plötzlich blickten wir in ein wildes Gewirr aus Strom- und Telefonkabeln, die wie Spinnenweben über den Straßen hingen. Die Straßen und Gehwege waren marode, viele Häuser dem Verfall preisgegeben und Menschen bekamen wir kaum zu Gesicht. Während in Bük dank der Thermaltouristen das Geld sprudelt, sahen wir hier das von der Politik sträflich vergessene Ungarn.
Richtung Osten passierten wir die Dörfer Tompaládony, Vasegerszeg und Uraiújfalu – beschauliche Orte, in denen die Landwirtschaft den Ton angibt. Immerhin hatte Petrus ein kleines Einsehen: Das Wetter besserte sich kurzzeitig und die Sonne spitzte ein paar Mal durch. In Uraiújfalu bogen wir nach Süden ab, woraufhin der Himmel sofort wieder dichtmachte. Es blieb den restlichen Tag unangenehm grau in grau, aber ein Gutes hatte es: Es regnete nicht.
Wir überquerten die Raab, einen der wichtigsten Flüsse Westungarns, der in den österreichischen Alpen entspringt und sich hier träge durch die Ebene schlängelt, um später in die Donau zu münden. Nach der Flussüberquerung merkten wir sofort, dass wir im Kemeneshát angekommen waren, einem Teil des westungarischen Hügellandes. Die Landschaft wurde welliger und forderte uns mit ein paar Höhenmetern heraus.
Nach 40 Kilometern erreichten wir Celldömölk. Die charmante Kleinstadt blickt auf eine über 750-jährige Geschichte zurück und ist vor allem als das „Mariazell Ungarns“ bekannt. Das Herzstück des Ortes ist die imposante barocke Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt, zu der seit Jahrhunderten Pilger strömen, um eine exakte Kopie der berühmten Gnadenstatue aus dem österreichischen Mariazell zu verehren. Gleich nebenan befinden sich die historischen Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters, die der Stadt eine fast schon andächtige Atmosphäre verleihen.
Kaum hatten wir die Stadt hinter uns gelassen, baute sich der Ság-hegy vor uns auf. Dieser markante, flache Zeugenberg ist ein rund fünf Millionen Jahre erloschener Vulkan, dessen Krater heute unter Naturschutz steht und in dessen erstarrter Lava Wissenschaftler wertvolle geologische Entdeckungen machten. Nach einer windgeschützten Mittagspause in einem Bushäuschen umrundeten wir den Kis-Somlyó. Dieser kleine Vulkanberg ist ein absolutes Weinparadies: Die mineralischen Basaltböden eignen sich perfekt für den Weinbau, und wir konnten zahlreiche Winzer beobachten, die trotz des ungemütlichen Wetters fleißig in ihren Weingärten schufteten. Überhaupt ist diese ganze Region Teil eines uralten, vulkanischen Feldes. Vor Jahrmillionen brodelte es hier gewaltig unter der Erde, und die charakteristischen Zeugenberge wie der Ság-hegy oder der Kis-Somlyó sind die steinernen Überreste dieser feurigen Vergangenheit, die der Landschaft heute ihr welliges Gesicht geben.
Die nächste größere Station war Jánosháza. Der Ort war im Mittelalter ein strategisch wichtiger Knotenpunkt, an dem sich alte Handelswege kreuzten. Wir hatten uns im Vorfeld schon sehr auf das dortige Wasserschloss Erdődy-Choron-Kastély gefreut. Diese Anlage wurde im 16. Jahrhundert von András Choron als wehrhafte, von Wassergräben umgebene Renaissance-Burg erbaut, um die Region vor den heranstürmenden Osmanen zu schützen. Später ging es in den Besitz der mächtigen Adelsfamilie Erdődy über, die es im barocken Stil zu einer herrschaftlichen Residenz umbauen ließ. Was uns allerdings nach all dieser großen Geschichte vor Ort tatsächlich erwartete, war ernüchternd: Eine halb zugewucherte, ziemlich verfallene Burgruine, die im Dornröschenschlaf liegt und deren einstiger Glanz nur noch mit viel Fantasie zu erahnen ist.
Weiter ging es im ständigen Auf und Ab durch das hügelige Gelände Richtung Süden, bis wir schließlich Hévíz erreichten.
Hier erlebten wir den nächsten drastischen Kulissenschock: Schlagartig war alles wieder blitzsauber herausgeputzt. Entlang der Straße reihten sich Touriläden mit Schwimmreifen, bunten Handtüchern und Badeutensilien aneinander – ein Flair fast wie in Lido di Jesolo. Kein Wunder, denn Hévíz beherbergt den größten natürlichen und biologisch aktiven Thermalsee der Welt, in dem man selbst im Winter unter Seerosen baden kann. Das Geld der Kurgäste hat den Ort regelrecht transformiert.
Nur noch ein paar Kilometer weiter im Sattel, und wir erreichten endlich unser Tagesziel: Keszthely am Nordwestufer des Balaton. Gleich am Ortseingang steuerten wir in den prachtvollen Park von Schloss Festetics und bewunderten das barocke Meisterwerk mitsamt seinen eleganten Wasserspielen. Das Schloss ist eines der größten und bedeutendsten Adelsdomizile Ungarns. Danach rollten wir ins Stadtzentrum zur Magyarok Nagyasszonya Plébániatemplom (Hauptpfarrkirche Unserer Lieben Frau). Die gotische Kirche dominiert den weitläufigen Hauptplatz und besitzt faszinierende mittelalterliche Fresken, die erst vor einigen Jahrzehnten freigelegt wurden.
Von dort waren es noch 1,5 Kilometer bis zu unserer Unterkunft, der Pension Barbara Wellness. Der Hausherr empfing uns super freundlich und in erstaunlich gutem Deutsch. Nach der heißen Dusche machten wir uns fertig, um die 1,5 Kilometer in die Stadt für den verdienten Aperitif und das Abendessen zu Fuß zurückzulegen. Das Belohnungsgetränk unter freiem Himmel zu trinken, stellte sich allerdings schnell als kapitale Fehlentscheidung heraus – es war einfach viel zu kalt.
Im urigen Restaurant ein paar Schritte weiter war es dafür kuschelig warm. Hier genossen wir die uns in Melk wärmstens empfohlene, traditionelle Halászlé (ungarische Fischsuppe), die am Balaton mit reichlich Paprika und frischem Fisch zubereitet wird. Ein absoluter Gaumenschmaus!
Auf dem Rückmarsch zur Pension zogen wir Bilanz: Keszthely wird definitiv nicht unser Lieblingsort auf dieser Reise werden. Vielleicht lag es an der noch verschlafenen Vorsaison oder einfach an der klammen Kälte des Tages, die sich wie ein Grauschleier über die Stadt gelegt hatte.
Fazit: Ein Tag der extremen Kontraste – vom kaputten Kabel-Salat in den Dörfern über kaiserlichen Schlossprunk bis hin zur scharfen Fischsuppe, die uns nach einer eiskalten Etappe aufgewärmt hat.





Tag 7– Vulkankegel und Lavendel-Duft, auf der Königsetappe nach Tihany
Bük - Keszthely
Datum: Donnerstag, 30.04.2026
Distanz: 73 km | Höhenmeter: ca. 500 hm
Was für ein Unterschied zum Vortag! Heute blinzelte uns schon die Sonne direkt ins Zimmer der Pension Barbara, und unser sympathischer Hausherr hatte bereits ein absolut passables Frühstück gezaubert. Da für heute „nur“ entspannte 73 Kilometer auf dem Plan standen, ließen wir den Morgen ohne jede Hektik angehen.
Gemütlich stiegen wir auf die Pedale, rollten hinunter zum Ufer und fädelten uns ohne Probleme auf den offiziellen Balaton-Radweg ein.
Bei bestem Radlwetter kamen wir zügig voran und umrundeten die markante Landzunge von Balatongyörök. Der Ort ist berühmt für seinen „Szépkilátó“ (Schönen Ausblick), von dem aus sich ein Postkartenpanorama über den glitzernden See und die Vulkankegel des Tapolca-Beckens bietet. Kaum um die Kurve gebogen, baute sich rechter Hand auch schon die majestätische Silhouette der Burg von Szigliget auf dem gleichnamigen Várhegy (Burgberg) vor uns auf. Die Festung wurde im 13. Jahrhundert erbaut und trotzte erfolgreich den osmanischen Belagerungen, bis sie später durch einen Blitzschlag im Pulverturm und den Befehl der Habsburger zerstört wurde. Weil wir uns dieses geschichtsträchtige Highlight nicht entgehen lassen wollten, verließen wir den flachen Fahrradhighway – was uns prompt die nächste, ordentlich steile Rampe einbrachte.
Doch die Schinderei lohnte sich gewaltig, denn das Dorf Szigliget selbst ist ein echtes, denkmalgeschütztes Kleinod. Es schmiegt sich wie aus dem Bilderbuch an den vulkanischen Hügel und hat sich seinen historischen Charme komplett bewahrt. Bekannt ist Szigliget vor allem für seine jahrhundertealten, weiß getünchten Bauernhäuser, die alle mit dickem, traditionellem Schilfrohr (Reet) gedeckt sind. Diese Bauweise sieht nicht nur wunderschön aus, sondern hält die Häuser im heißen ungarischen Sommer auch angenehm kühl. Beim Durchradeln der engen, kopfsteingepflasterten Gassen, vorbei an alten Weinkellern und blühenden Gärten, fühlte man sich glatt in ein anderes Jahrhundert versetzt. Und die Ausblicke, die sich zwischen den reetgedeckten Dächern immer wieder auf den tiefblauen See öffneten, waren einfach herrlich.
Bei der rasanten Abfahrt bot sich uns ein grandioser Blick auf die Kette der erloschenen Vulkane. Wir umrundeten den sanften Antal-hegy, um wieder auf den Hauptradweg zu gelangen, und steuerten direkt auf den König der Region zu: den Badacsony. Dieser mächtige, 438 Meter hohe Tafelberg ist der markanteste Zeugenberg der Erdgeschichte dieser Gegend, an dessen Hängen auf fruchtbarem Basaltboden der berühmte Weißwein (der Szürkebarát / Graumönch) gedeiht. Wir fuhren mitten durch die sonnenverwöhnten Weinberge einmal um den Riesen herum, bis wir Badacsonytomaj erreichten. Hier öffnete sich der Blick ins Landesinnere und gab die Sicht auf den Gulács frei. Mit seinem fast perfekt symmetrischen, spitzen Kegel erhob er sich wie eine Miniatur-Ausgabe des Fujiyama in der Ferne.
Die darauffolgende Fahrt führte uns durch eine Reihe von charmanten Uferdörfern, von denen jedes seinen ganz eigenen Charakter hat:
- Ábrahámhegy: Ein ruhiger, gemütlicher Ort, der sanft in die Weinberge eingebettet ist.
- Balatonrendes: Die kleinste Gemeinde am Nordufer, die sich ihren herrlich beschaulichen und ursprünglichen Charakter bewahrt hat.
- Révfülöp: Historisch ein bedeutender Fährhafen, der heute mit einer wunderschönen, lebhaften Uferpromenade besticht.
- Balatonszepezd: Bekannt für seine terrassenförmig angelegten Gärten und die alte, romanische Kirche auf dem Hügel.
- Zánka: Ein weitläufiger Ort, der vor allem für sein riesiges Jugend- und Freizeitzentrum aus vergangenen Tagen bekannt ist.
- Balatonakali: Ein absolutes Mekka für Camper, umgeben von dichten Weingärten und alten Weinkellern.
- Balatonudvari: Weltberühmt für seinen historischen Friedhof, auf dem skurrile, herzförmige Grabsteine aus weißem Kalkstein aus dem frühen 19. Jahrhundert stehen.
- Örvényes: Ein winziges, uriges Dorf, das stolz auf seine noch voll funktionsfähige, jahrhundertealte Wassermühle ist.
Überall boten sich uns immer wieder neue, beeindruckende Ausblicke auf das in der Sonne glitzernde Wasser. In Örvényes war es dann Zeit für eine kaiserliche Pause. Wir ließen uns auf der sonnenbeschienenen Terrasse des Restaurants Huszár Vendéglő nieder. Dieses Lokal ist ein echter Geheimtipp: Die Lage, die gemütlich-traditionelle Einrichtung und der aufmerksame Service waren schlicht perfekt.
Frisch gestärkt hielten wir Kriegsrat: Sollten wir die geplante, steile Route hinauf auf die Halbinsel Tihany wagen oder doch lieber auf Nummer sicher gehen und den flacheren Radweg entlang der Hauptstraße wählen? Die Entscheidung fiel – wie eigentlich fast immer bei uns – zugunsten der sportlichen Herausforderung. Wir bogen ab, fuhren direkt am Ufer um den sogenannten Gipfelberg herum und traten kurz darauf schweißtreibend in die steile Rampe hinauf zum Hochplateau der Halbinsel. Die Anstrengung wurde fürstlich belohnt: Der Weg führte uns mitten durch malerische Weinberge und Lavendelfelder. Anfang Mai blühte der Lavendel zwar leider noch nicht, aber die Landschaft war dennoch atemberaubend. Vor uns öffnete sich der Blick auf die beiden Kraterseen Külső-tó (Äußerer See) und Belső-tó (Innerer See), über denen majestätisch die Benediktinerabtei von Tihany thronte. Um das Kloster mit seinen zwei markanten weißen Barocktürmen zu erreichen, die wie ein Wahrzeichen hoch oben auf der östlichen Klippe über dem Balaton wachen, mussten wir noch ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen und steil bergauf treten.
Die Abtei ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern die historische Wiege Ungarns. Gegründet wurde sie bereits im Jahr 1055 von König Andreas I., der hier auch seine letzte Ruhestätte fand – seine Gruft im romanischen Keller ist der einzige Teil der ursprünglichen Kirche, der über die Jahrhunderte völlig unversehrt geblieben ist. Für die Ungarn ist die Abtei zudem ein nationales Heiligtum wegen ihrer Gründungsurkunde: Sie enthält die allerersten geschriebenen ungarischen Worte überhaupt, eingebettet in einen ansonsten lateinischen Text. Die barocke Pracht, die man heute sieht, entstand allerdings erst im 18. Jahrhundert, nachdem die Anlage während der Türkenkriege als Festung umgebaut und stark beschädigt worden war.
Oben angekommen, sorgte mein digitaler Routentrack noch für einen kleinen Lacher: Ich hatte den Endpunkt der Strecke exakt vor einer kleinen Treppe platziert. So hieß es zum Finale: Räder schultern und die Stufen hinauf zur Hauptstraße tragen! Direkt dort fanden wir auch unser Quartier, das Csöpi Panzió – ein wunderschön renoviertes, altes Bürgerhaus, das mit viel Liebe zu einer tollen Unterkunft umgebaut wurde. Der gastfreundliche Wirt hieß uns willkommen und gab uns auch gleich den ultimativen Frühstückstipp für den nächsten Morgen: das „Café Rege“ direkt neben der Kirche. Ein Tipp, der sich am nächsten Tag als absoluter Traum herausstellen sollte.
Nach dem Einchecken hielt uns nichts mehr im Zimmer. Wir stiegen hinauf zur Abtei und traten an die alte Klostermauer. Von hier oben hat man einen fast unwirklichen, atemberaubenden Blick über die Weite des azurblauen Plattensees – ein absoluter Traum! Da die Mönche für den Blick in die Kirche mittlerweile ordentlich Eintritt verlangten, sparten wir uns das Geld kurzerhand und investierten es lieber im Dorf.
Tihany ist komplett im Lavendel-Rausch: Alles, wirklich alles, ist hier in Lavendellila gehalten. Wir schlenderten durch die Gassen und kauften ein paar ausgefallene Mitbringsel – darunter feuriges Chili und tatsächlich Lavendel-Erdnüsse!
Danach steuerten wir das „Café Tihany“ für die obligatorischen Belohnungsdrinks an. Während ich die Beine ausstreckte und das Ganze gemütlich auf ein zweites Getränk ausdehnte, zog Isabella hochmotiviert mit der Kamera los, um den malerischen Ort im Abendlicht einzufangen. Den perfekten Abschluss eines genialen Radltages feierten wir schließlich in der urigen „Tihany Retro Pizzeria“ bei einer vorzüglichen, neapolitanischen-tihanischen Pizza.
Fazit: 73 Kilometer, die uns vom kaiserlichen Burgblick über vulkanische Weinberge bis ins lila Lavendelparadies geführt haben. Tihany hat uns voll begeistert – so macht das Radeln am Balaton Spaß!






Tag 8– Kaiser-Frühstück, Hunger-Notstand und der Weltapfel von Székesfehérvár
Tihany - Szekesfehervar
Datum: Freitag, 01.05.2026
Distanz: 76 km | Höhenmeter: ca. 400 hm
Strahlend schön begann dieser Morgen! Kurz vor acht Uhr machten wir uns auf den kurzen Weg hinauf zur Abtei, um im legendären „Café Rege“ zu frühstücken. Die paar Minuten, bis das Café pünktlich seine Pforten öffnete, nutzten wir, um von der Klostermauer aus noch einmal den majestätischen Blick über das spiegelglatte Wasser zu genießen. Punkt 8 Uhr schlossen sich die Türen auf, und wir ergatterten einen Tisch direkt am Rand der Terrasse. Der Blick von dort oben über den Balaton und hinab zu den Stränden von Tihany war schlichtweg grandios. Sonne auf der Haut, das ungarische Meer zu Füßen – selten haben wir ein Frühstück so sehr genossen. Radlerherz, was willst du mehr? Vor lauter Staunen und Genießen zogen wir das Ganze ordentlich in die Länge und kamen erst nach 9 Uhr auf die Sättel.
Steil ließen wir die Räder hinab zum See rollen, wo wir im Ortsteil Diós wieder auf den offiziellen Balaton-Radweg trafen. Nun folgten wir dem Nordostufer und passierten einige der bekanntesten Städte der Region:
- Balatonfüred: Der älteste Kurort am See und die unbestrittene „Hauptstadt“ des Nordufers. Berühmt für seine kohlensäurehaltigen Heilquellen, die prächtige, von Platanen gesäumte Tagore-Promenade und die eleganten Villen aus dem 19. Jahrhundert, strahlt die Stadt puren mondänen Charme aus.
- Balatonalmádi: Die Stadt schmiegt sich wie ein Amphitheater an die Hügel und besticht durch ihre markanten Bauten aus rotem Perm-Sandstein, der in der Region abgebaut wird, sowie durch weitläufige, gepflegte Parkanlagen direkt am Wasser.
- Balatonfűzfő: Am nordöstlichsten Zipfel des Sees gelegen, hat sich der Ort von einem einstigen Industriezentrum zu einem Eldorado für Aktivurlauber gewandelt. Im schönen Bootshafen, den wir passierten, herrschte bereits geschäftiges Treiben.
Hier, am östlichen Scheitelpunkt des Sees angekommen, wendeten wir uns nach Süden und erreichten Balatonkenese. Der Ort ist historisch für seine Seefahrtstradition bekannt und markiert den Beginn eines völlig neuen Landschaftsbildes: Plötzlich hieß es für uns nämlich wieder kräftig in die Pedale treten und steil nach oben fahren! Der Balaton überraschte uns hier am Ostufer mit einer imposanten, bis zu 50 Meter hohen Löß-Steilküste.
Oben angekommen erreichten wir in Balatonakarattya den letzten Ort unserer Balaton-Runde. Wir steuerten die Räder noch einmal direkt an die Bruchkante der Anhöhe und genossen vom berühmten Aussichtspunkt „Kisfaludy-kilátó“ einen beispiellosen, epischen Panoramablick über die gesamte Westküste des Sees – ein wirklich traumhafter Abschiedsgruß des Plattensees! Nur ein Wermutstropfen trübte die Idylle: Das einzige Bistro dort oben war bis auf den letzten Platz besetzt.
„Macht nichts“, dachten wir uns optimistisch, „auf der Strecke nach Székesfehérvár wird schon bald wieder etwas kommen.“ Ein gigantischer Trugschluss, wie sich herausstellen sollte. Unser Weg führte uns nun nach Nordosten, immer entlang des hervorragend ausgebauten Radwegs EV14 (der Mitteleuropa-Route). Wir rollten zügig durch eine Reihe kleinerer Dörfer wie Balatonfőkajár und Füle, bis wir nach Polgárdi kamen.
Hier traten wir, ohne es im Sattel zu ahnen, über geschichtsträchtigen Boden der Extraklasse. Die Region war zur Römerzeit Teil der Provinz Pannonia und ein Hotspot der wohlhabenden Oberschicht. Polgárdi und der direkt benachbarte Hügel Kőszárhegy, an dem wir kurz darauf vorbeifuhren, erlangten weltweite archäologische Berühmtheit: Hier wurde in den 1970er-Jahren der sagenumwobene Seuso-Schatz entdeckt – ein gigantischer, spätantiker Silberschatz von unschätzbarem Wert, dessen Entdeckung einer der spannendsten und mysteriösesten Krimis der modernen Archäologie ist. Nach illegalem Schmuggel und jahrzehntelangen Rechtsstreitigkeiten auf dem internationalen Kunstmarkt kaufte der ungarische Staat die prunkvollen Silberplatten Stück für Stück zurück.
Landschaftlich war das zwar schön, aber gastronomisch eine absolute Wüste: Bis zum Vorort von Székesfehérvár gab es keine, aber auch wirklich keine einzige Möglichkeit für eine kurze Rast. Und das, man muss es so offen sagen, wird bei Isabella hochgradig riskant. Die Nahrungsaufnahme-Uhr tickt bei ihr gnadenlos: Exakt zehn Minuten, nachdem sie das erste Mal dezent äußert, dass sie Hunger hat, setzt eine unübersehbare, akute Wesensveränderung ein – sie wird schlichtweg grantig. Der Hunger-Notstand war auf dem absoluten Höhepunkt, als im Vorort endlich, wie eine Fata Morgana, ein Bistro auftauchte. Mit einem saftigen Döner für mich und einem Wrap für Isabella konnte dem drohenden Unwetter sofort und äußerst erfolgreich abgeholfen werden. Die Laune stieg schlagartig wieder über den Gefrierpunkt.
Frisch gestärkt und wieder im reinsten Harmoniemodus machten wir uns auf in die wunderschöne Altstadt von Székesfehérvár (zu Deutsch: Stuhlweißenburg). Die Stadt ist eine der ältesten Ungarns und von immenser historischer Bedeutung: Im Mittelalter war sie königliche Residenzstadt, in der über 30 ungarische Könige gekrönt und 15 von ihnen auch begraben wurden. Im angenehmen Schatten unweit des berühmten Weltapfels (Országalma) – dem monumentalen Steinmonument auf dem Hauptplatz, das die königlichen Herrschaftsrechte und die Dreiteilung der Macht symbolisiert – gönnten wir uns das obligatorische Belohnungsgetränk unter einem Sonnenschirm des Perte Bistros. Wir bestaunten die prächtigen Barockbauten, den Bischofspalast und die gemütlichen Fußgängerzonen dieser geschichtsträchtigen Metropole.
Nach der wohlverdienten Pause steuerten wir unser gebuchtes Hotel Platán an. Auf dem Weg dorthin erlebten wir allerdings noch eine kleine Überraschung: Ein äußerst pflichtbewusster Ordner machte uns in der Fußgängerzone lautstark und unmissverständlich darauf aufmerksam, dass das Fahrradfahren in der historischen Altstadt strengstens verboten ist. Brav wie wir sind, stiegen wir sofort von unseren Rössern ab und schoben die letzten Meter absolut regelkonform bis zur nächsten Querstraße hinaus.
Nachdem wir uns für das Abendessen frisch gemacht und umgezogen hatten, spazierten wir noch mal in die Innenstadt, um uns noch etwas umzuschauen. Im sanften Abendlicht entfaltete die geschichtsträchtige Kulisse erst ihren vollen Zauber. Unser Weg führte uns zuerst zu den Ruinen der Basilika St. Stephan (dem Ruinenfeld im Nationalen Gedenkplatz). Wo heute nur noch die Grundmauern und massiven Steinfundamente zu sehen sind, stand einst die gigantische Krönungskirche der ungarischen Könige – das spirituelle Zentrum des mittelalterlichen Ungarns, das im 16. Jahrhundert unter den Osmanen tragisch zerstört wurde.
Gleich um die Ecke kamen wir noch einmal am prachtvollen Weltapfel (Országalma) vorbei, bevor wir vor der Kathedrale Sankt Stephan standen. Dieser beeindruckende Bau (auch als St.-Stephan-Konkathedrale bekannt) beeindruckt mit seiner eleganten barocken Fassade und den zwei mächtigen Türmen, die das Stadtbild prägen. Im Inneren verbirgt sie prunkvolle Fresken und ist der Sitz des Bistums. Ein paar Schritte weiter statteten wir auch der kleinen St.-Anna-Kapelle noch einen Besuch ab – jenem gotischen Wunder von 1470, das als einziges mittelalterliches Gebäude alle Kriege völlig unbeschadet überstanden hat. Zum Abschluss unseres Kultur-Rundgangs warfen wir noch einen Blick auf die wunderschöne Blumenuhr, deren Zeiger im Abendlicht über den kunstvoll gepflanzten Blütenreihen strichen.
Nach so viel Geschichte und Bewegung wurde es dann aber höchste Zeit, dass wir wieder mal etwas zwischen die Kiemen schoben. Wir entschieden uns heute für italienische Küche und machten es uns im Restaurant Porto Vino gemütlich. Eine absolut hervorragende Entscheidung: Die Pizzen dort waren echt superb, knusprig und perfekt belegt! Ein rundum gelungener Ausklang für einen langen, ereignisreichen Tag.
Fazit:
76 Kilometer, die uns vom kaiserlichen Traum-Frühstück über eine unerwartete Steilküste direkt in den kulinarischen Hunger-Notstand geführt haben – der sich aber dank ungarisch-türkischer Fast-Food-Kultur, römischer und einem traumhaften Abendspaziergang zwischen königlichen Ruinen und einer superben Pizza im Porto Vino in puren Urlaubsgenuss aufgelöst hat.





Tag 9– Schulabschluss-Trubel, steile Weinberge und das große Finale an der Donau
Székesfehérvár - Budapest
Datum: Samstag, 02.05.2026
Distanz: 90 km | Höhenmeter: ca. 780 hm
Am nächsten Morgen: Was war das denn? Beim Blick aus dem Hotelfenster trauten wir unseren Augen kaum. Überall sahen wir Jugendliche, die sich so richtig geschniegelt und gestriegelt im feinsten Zwirn rausgeputzt hatten. Die meisten trugen klassisches Schwarz-Weiß und hielten üppige Blumensträuße in den Händen. Auf den Straßen herrschte ein regelrechter Ausnahmezustand. Nach dem Frühstück schwangen wir uns auf die Sättel und rollten los – und wir hatten im dichten Gewusel prompt alle Hände voll zu tun, nicht mit den schicken Trupps zusammenzustoßen.
Nach kaum einem Kilometer wollten wir nur kurz ein paar Getränke für die Fahrt besorgen. Doch gleich neben dem Spar-Markt bot sich uns das nächste skurrile Bild: Eine riesige Menschenschlange wand sich bis weit vor die Tür eines Blumengeschäfts. Gott sei Dank brauchten wir heute keine Rosen oder Lilien! Aber auch unser vermeintlich schneller Getränkeeinkauf dauerte durch die langen Schlangen an den Supermarktkassen deutlich länger als gedacht. An einer roten Ampel nutzten wir schließlich die Gelegenheit, eine Familie zu fragen, was hier eigentlich gefeiert wird. Das Rätsel war schnell gelöst: In ganz Székesfehérvár fanden an diesem Tag an den Schulen die traditionellen Schulabschlussfeiern (das sogenannte „Ballagás“) statt. „Da steht die ganze Stadt kopf“, erklärten sie uns lachend.
Wir ließen den Trubel hinter uns und radelten hinaus aus der Stadt. Unser Weg führte uns zuerst nach Pákozd, einem geschichtsträchtigen Ort, der für die erste siegreiche Schlacht der ungarischen Revolution von 1848 bekannt ist und heute mit einem großen Militär-Gedenkpark aufwartet. Kurz dahinter umrundeten wir den Mészeg-hegy – einen markanten Hügel, an dessen Hängen Denkmäler und weite Natur aufeinandertreffen –, wodurch wir fast das Ufer des Velencer Sees (Velencei-tó) erreichten. Er ist der drittgrößte natürliche See Ungarns und gilt wegen seiner geringen Tiefe als einer der wärmsten Badeseen Europas.
Kurz darauf hieß es wieder: Kette hinten links und kräftig schwitzen! Es ging steil hinauf durch das idyllische Dorf Sukoró, wo wir uns bis zu der weithin sichtbaren, klassischen reformierten Kirche aus dem 19. Jahrhundert hinaufstrampelten, die majestätisch über dem Ort wacht. Weiter führte uns die Route durch eine landschaftlich wunderschöne Gegend, geprägt von sanften Erhebungen wie dem Új-hegy und dem János-hegy. Die Anstrengungen wurden mit absoluten Traum-Ausblicken über das glitzernde Band des Velencer Sees belohnt, bevor wir Nadap erreichten. Das beschauliche Dorf ist in Fachkreisen weltberühmt: Hier befindet sich der offizielle geodätische Fixpunkt Ungarns, an dem seit dem 19. Jahrhundert die Höhenmessungen des ganzen Landes ausgerichtet werden.
Hinter Tordas wartete die nächste knackige Herausforderung auf uns. Ein letztes Mal für heute mussten wir so richtig kräftig in die Pedale treten. Durch malerische Weinberge ging es steil hinauf über den Legelő-hegy nach Etyek (zu Deutsch: Edeck). Dieses wunderschöne Weindorf wird oft als der „Weinberg von Budapest“ bezeichnet und ist berühmt für seine exzellenten Weiß- und Schaumweine sowie für seine historischen, weiß getünchten Kellergassen. Genau hier gerieten wir – wie sollte es auf unserer Reise auch anders sein – mitten in das nächste sportliche Großereignis: Start und Ziel eines Mountainbike-Radrennens. Wieder ganz schöner Trubel.
Kurz darauf passierten wir den idyllischen See Bia-tó und erreichten den Ort Bia, der zusammen mit Torbágy die charmante Doppelgemeinde Biatorbágy bildet, bekannt für ihr mächtiges, historisches Eisenbahnviadukt. Über Törökbálint – einer von Wald und Hügeln umgebenen, florierenden Kleinstadt – steuerten wir nun endgültig die direkten Vororte von Budapest an. Über Budaörsi Kamaraerdő und Kőérberek rollten wir ein, vorbei an dem kleinen, geschäftigen Regionalflughafen Budaörs, der vor allem für Sportflieger bekannt ist. Der Weg führte uns rund um den Dobogó-Hügel, mitten durch das geschäftige Stadtviertel Kelenföld, bis wir schließlich die sanfte Abfahrt hinab zur mächtigen Donau erreichten.
Was für ein unbeschreibliches Gefühl, als sich plötzlich der Blick auf den großen Strom, - den wir bei Melk verlassen hatten-öffnete! Wir rollten die Uferpromenade entlang, atmeten die Großstadtluft ein und steuerten direkt auf das architektonische Meisterwerk zu: die berühmte Kettenbrücke (Széchenyi Lánchíd). Sie ist die älteste und imposanteste Hängebrücke Budapests, bewacht von majestätischen Steinlöwen, und verbindet das hügelige Buda mit dem flachen Pest. Wir überquerten den Fluss und stürzten uns mitten hinein ins lebendige Getümmel der Fußgängerzone des schicken 5. Bezirks (Belváros).
Nach der langen Fahrt hatten wir unverschämtes Glück und ergatterten in einem gemütlichen Café einen freien Tisch im Außenbereich für unser wohlverdientes Belohnungsgetränk. Im festen Glauben, wieder eine Halbe und kein 0,33er-„Schnapsglas“ zu erhalten, bestellte ich beim Service ein „Big Beer“. Die Überraschung war perfekt: Die Kellnerin balancierte kurz darauf eine eiskalte, frisch gezapfte Maß zu unserem Tisch! Freudstrahlend und mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen nahm ich den edlen, kühlen, großen Tropfen in Empfang. So lässt es sich leben!
Frisch hydriert schoben und radelten wir die letzten Meter weiter bis zu unserem gebuchten Domizil, dem Ikonik Parlamenti Hotel. Der Service dort war einfach erstklassig: Wir durften unsere treuen Drahtesel kurzerhand direkt durch den eleganten Haupteingang rollen und im Innenbereich an einer Treppe sicher abstellen. Ein absoluter Volltreffer von einem Hotel!
Lange hielt es uns jedoch nicht auf den Zimmern. Frisch umgezogen machten wir uns auf den Weg zum Abendessen und steuerten eine urige Gulasch- und Lángos-Bar an, wo wir uns durch fantastisches, traditionell ungarisches Essen schlemmten. Als krönenden Abschluss des Tages spazierten wir für einen Absacker zum prachtvollen Freiheitsplatz (Szabadság tér). Dieser monumentale, geschichtsträchtige Platz ist von beeindruckenden Prachtbauten wie der Ungarischen Nationalbank umgeben und beherbergt das große sowjetische Ehrenmal. Wir ließen uns an der gemütlichen „Hütte Café Terrace“ nieder. Es war einfach absolut genial, hier entspannt auf der Terrasse zu sitzen, den Tag Revue passieren zu lassen und das bunte Treiben der Einheimischen – allen voran die unzähligen, tiefenentspannten Gassigeher mit ihren Hunden – zu beobachten.
Auf dem Rückweg zum Hotel passierten wir noch das Lajos-Batthyány-Denkmal (die Ewige Flamme), ein berührendes, historisches Denkmal in Form einer ständig brennenden Laterne, das an den ersten ungarischen Ministerpräsidenten erinnert, der hier 1849 hingerichtet wurde. Tief beeindruckt von den Lichtern der Großstadt fielen wir schließlich müde, aber überglücklich in unsere Hotelbetten.
Fazit: Was für eine königliche Schlussetappe! Vom festlichen Schulabschluss-Trubel über die knackigen Steigungen der Etyeker Weinberge bis hin zur triumphalen Einfahrt an der Donau – Budapest hat uns mit einer eiskalten Maß Bier, einer superben Unterkunft und dem lebendigen Flair des Freiheitsplatzes den perfekten Empfang bereitet. Ein genialer Abschluss eines unvergesslichen Radltages!




Tag 10– Einmal im Kreis drehen für Faule: Das große Budapest-Erlebnis im Bus und auf dem Wasser
Datum: Sonntag, 03.05.2026
Der Tag begann herrlich entspannt. Nach einem ausgedehnten Frühstück im Hotel, bei dem es uns wirklich an absolut nichts mangelte, genossen wir das süße Nichtstun – wir mussten heute ja schließlich keine Kilometer auf dem Radsattel fressen! Frisch gestärkt marschierten wir gemütlich hinunter zur mächtigen Donau und direkt zum imposanten Parlamentsgebäude. Vor dieser gigantischen, neugotischen Kulisse mussten natürlich erst einmal einige Fotos geschossen werden, bevor wir uns auf den Weg zum offiziellen Startpunkt der Hop-On/Hop-Off-Tour machten.
Wir tauschten die Fahrradsättel gegen das Oberdeck des knallroten Doppeldeckers. Der Plan: Fahrtwind schnuppern, den Reiseleiter-Anekdoten lauschen und einfach mal das Fußvolk von oben betrachten. Startschuss war direkt bei den steinernen, zungenlosen Löwen an der Kettenbrücke – also quasi fast da, wo wir gestern unser Triumph-Bier erobert hatten. Und schon ging das ratternde Abenteuer los!
Die Route der roten Blechlawine:
- Die St.-Stephans-Basilika (Heilige Hände und große Kuppeln): Weiter ging die wilde Fahrt zur größten Kirche Budapests. Hier liegt die „Heilige Rechte“ – die mumifizierte rechte Hand des Staatsgründers König Stephan. Ein bisschen makaber, aber hey, andere Länder, andere Reliquien. Die Kuppel ist gigantisch, aber wir sparten uns den Aufstieg, wir saßen schließlich schon erhöht!
- Die Synagoge in der Dohány-straße (Die Große unter den Großen): Der Bus schaukelte uns weiter zum jüdischen Viertel. Die Synagoge hier ist nicht einfach nur ein Gotteshaus, sondern die zweitgrößte Synagoge der ganzen Welt! Schickes maurisches Design, das absolut umwerfend aussieht.
- Der Andrássy-Boulevard & die Oper (Budapests Champs-Élysées): Jetzt schaltete der Busfahrer in den Boulevard-Modus. Wir flanierten auf Rädern über die Prachtstraße Andrássy út. Links und rechts grüßten uns Luxusläden und die wunderschöne Ungarische Staatsoper. Hier schnupperte man förmlich die Luft des alten Österreich-Ungarns.
- Das Haus des Terrors (Nichts für schwache Nerven): Die Stimmung wurde kurz etwas düsterer, als wir an diesem geschichtsträchtigen Gebäude vorbeikamen. Das „Haus des Terrors“ ist heute ein Museum, das an die dunklen Zeiten der Pfeilkreuzler und des Kommunismus erinnert. Ein echter Gänsehaut-Ort, unübersehbar durch die riesige Dachblende, die das Wort „TERROR“ als Schatten auf die Fassade wirft.
- Der Heldenplatz (Statueskes Schaulaufen): Am Ende des Boulevards kreiste der Bus am monumentalen Heldenplatz. Hier stehen alle wichtigen Könige und Stammeshäupter Ungarns als überlebensgroße Statuen im Halbkreis. Direkt dahinter lockte das Stadtwäldchen mit der skurrilen Burg Vajdahunyad (die aussieht wie aus einem Dracula-Film zusammengewürfelt) und dem berühmten Széchenyi-Heilbad.
Der Rückweg: Über den Fluss und ab in die Berge
Nach dem Heldenplatz wendete unser rotes Gefährt und nahm Kurs auf die andere Flussseite, um dem hügeligen Stadtteil Buda einen Besuch abzustatten.
- Der Große Bahnhof Keleti: Ein kurzer Schlenker brachte uns zum Ostbahnhof. Ein wunderschöner, historischer Kopfbahnhof, an dem das pure Leben tobte.
- Das Nationalmuseum & Die Markthalle (Kultur trifft Knoblauch): Zurück Richtung Donau passierten wir das imposante Nationalmuseum und steuerten auf die Große Markthalle zu. Da drinnen riecht es intensiv nach Paprika, Salami und frischem Lángos.
- Über die Freiheitsbrücke zum Gellért-Berg (Die Königsetappe für Faule): Jetzt wurde es spektakulär: Der Bus ratterte über die grüne, filigrane Freiheitsbrücke hinüber nach Buda. Während normale Touristen jetzt zu Fuß den mörderisch steilen Gellért-Berg zur Zitadelle hinaufkeuchen mussten (was uns stark an unsere gestrigen Weinberg-Rampen erinnerte), lehnten wir uns entspannt zurück. Der Bus quälte sich die Serpentinen hoch und lieferte uns den ultimativen Postkartenblick direkt frei Haus.
Nachdem wir die kaiserliche Pracht ausgiebig bewundert hatten, schaukelt uns der rote Riese wieder gemütlich hinunter zum Donauufer und entließ uns schließlich genau dort, wo die Reise begann: an der Kettenbrücke.
Doch der Tag war damit noch nicht vorbei! Im Ticket des roten Busses war nämlich noch ein weiteres Highlight inkludiert, das wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten: eine einstündige Donauschifffahrt. Also hieß es für uns: Runter vom Busdeck und rauf aufs Schiffsdeck!
Wir legten ab und glitten als Erstes direkt unter der mächtigen Kettenbrücke hindurch, deren eiserne Konstruktion von unten noch einmal doppelt so beeindruckend wirkte. Vom Wasser aus zeigte sich Budapest noch einmal von einer ganz anderen, fast majestätischen Seite. Das Schiff nahm Kurs nach Norden, und wir schipperten in aller Ruhe noch einmal am imposanten Parlament vorbei. Wenn man so nah an der riesigen neugotischen Fassade vorbeigleitet, die sich prachtvoll im Wasser spiegelt, stockt einem fast der Atem.
Allerdings hatten an Bord nicht alle Augen für die architektonischen Meisterwerke. Direkt neben uns saßen drei japanische Teenager, die für die vorbeiziehende Pracht absolut keinen Blick übrig hatten. Sie waren vollauf mit einem ganz anderen Projekt beschäftigt: dem perfekten Selfie. Als Requisite diente ihnen jeweils ein großes ungarisches Bier – blöd nur, dass die drei den Gerstensaft so überhaupt nicht vertrugen. Schon nach den ersten zaghaften Schlucken für das perfekte Foto fing das große Kichern und Schwanken an. Und das Drama nahm auf der Bank daneben seinen Lauf: Das ältere Paar, die offensichtlich als Begleiter der Drei fungierten, unterschätzten das ungarische Gebräu ebenfalls maßlos. Schon nach der ersten Halben bekamen die beiden eine gehörige Breitseite ab, verloren jegliche Haltung und dösten im Takt der Donauwellen selig weg. Ein Bild für die Götter!
Während die Reisegruppe aus Fernost also hart mit dem ungarischen Hopfen kämpfte, führte uns die Fahrt weiter flussaufwärts bis zur grünen Lunge der Stadt, der Margaretheninsel, bevor das Schiff wendete und den gemütlichen Rückweg antrat. Auf dem Weg zurück genossen wir einen fabelhaften, unverbauten Blick hinüber zu den Hügeln von Buda: Hoch oben thronte die geschichtsträchtige Burg und daneben die mächtige Zitadelle auf dem Gellért-Berg, die von hier unten fast noch ein Stückchen unnahbarer aussah.
Wieder festen Boden unter den Füßen, marschierten wir weiter in Richtung Fußgängerzone. Hier war wieder absolut die Hölle los – die Stadt pulsierte im puren Sonntags-Trubel. Am Hild tér stießen wir auf einen großen, lebendigen Markt. Eine Live-Band sorgte für die passende musikalische Unterstützung und heizte den Besuchern mit wilden, fremdklingenden Balkan-Songs ordentlich ein. Die Stimmung war so ansteckend, dass wir hier direkt hängen blieben und uns ein herrlich verspätetes Mittagessen gönnten: Ein riesiger Hot Dog für den ärgsten Hunger, ein traditionell fettiger Lángos und – wie sollte es anders sein – ein kühles Bier gegen den Durst.
Frisch gestärkt spazierten wir im Anschluss hinüber zur prachtvollen St.-Stephans-Basilika für ein paar ausgiebige Fotostopps, bevor unser Kulturprogramm uns weiter zum berühmten Opernhaus führte. Zu diesem Prachtbau gibt es eine wunderbare, historische Anekdote: Kaiser Franz Joseph I. soll den Bau des Budapester Opernhauses damals unter einer strikten Bedingung genehmigt haben: Es durfte auf keinen Fall größer werden als die Wiener Staatsoper. Die Budapester hielten sich brav an das Gesetz. Sie bauten es kleiner – vergaßen dabei aber ganz dezent, dass sie auch nicht schöner werden darf! Als der Kaiser zur feierlichen Eröffnung anreiste und den unfassbaren Prunk sah, soll er das Gebäude vor lauter kaiserlichem Neid demonstrativ vorzeitig verlassen haben. Ob die Geschichte nun zu 100 % stimmt oder nicht – wenn man die Oper betritt, glaubt man sie sofort.
Schon der Vorraum und das monumentale Treppenhaus, die man völlig kostenlos besichtigen kann, sind schlichtweg atemberaubend: Edler Marmor, goldverpfrimmte Deckenfresken und mächtige Säulen spiegeln den puren Luxus der kaiserlich-königlichen Monarchie wider. Verstärkt wurde dieser grandiose Eindruck noch durch glasklare, laute Opernarien, die aus den Lautsprechern die Hallen fluteten. Man schloss kurz die Augen und fühlte sich augenblicklich in die glamouröse Opernwelt zur Zeit des Kaiserreiches zurückversetzt. Ein echter Gänsehaut-Moment!
Nach diesem royalen Kultur-Ausflug zog es uns für den obligatorischen Aperitif vor dem Abendessen wieder zu unserem neuen Lieblingsort: dem Freiheitsplatz. In der Abendsonne saßen wir einfach nur relaxed da und genossen das entspannte Flair, bevor es zurück zum Hotel ging, um uns für das große Finale frisch und fein zu machen.
Für unser letztes Abendessen in Budapest blieben wir im Tüköry Étterem hängen, einer herrlich urigen, traditionellen Gulasch- und Lángos-Bar. Der Empfang war vielversprechend: Der Kellner stellte uns zur Begrüßung direkt einen ungarischen Pálinka (Obstbrand) auf das Haus an den Tisch. Nach dem wie gewohnt deftigen, super leckeren und mehr als reichlichen Essen wollten wir die Tour gebührend abschließen und bestellten uns zum Verdauen noch eine Runde Pálinka.
Der Ober schaute uns mit einem verschmitzten Grinsen an und fragte trocken: „Den echten, oder wieder den für Touristen, den ich euch am Anfang spendiert habe?“ Unsere Radlerehre war natürlich sofort gepackt: „Natürlich den Echten!“, antworteten wir wie aus einem Mund.
Tja, und der hatte es in sich! Der „echte“ Schnaps brachte stolze 52 % Alkoholgehalt auf die Waage und schlug pro 4-cl-Glas mit umgerechnet satten 12 Euro zu Buche. Holla die Waldfee! Das Zeug brannte nicht nur im Hals, sondern riss auch ein gewaltiges Loch in die Urlaubskasse. Am Ende war das Ganze so teuer, dass nicht einmal mehr all unsere Forint reichten. Dabei wollten wir die Landeswährung an unserem tatsächlich letzten Abend in Budapest eigentlich komplett loswerden. Stattdessen war nicht nur Bargeld-Ebbe im Portemonnaie, und wir mussten mit der Kreditkarte noch ordentlich drauflegen.
Eigentlich hatten wir uns fest vorgenommen, den allerletzten Absacker an der gemütlichen Hotelbar zu trinken, aber nach dem 52-prozentigen Pálinka war der Alkoholpegel definitiv erreicht – und das Budget für heute ehrlich gesagt auch! So fielen wir glücklich, pleite und bestens schlummernd in unsere Betten.
Fazit:
Was für ein grandioser Tag ganz ohne Pedaltreten! Budapest hat uns heute vom Busoberdeck, vom Schiffsdeck und beim kaiserlichen Opern-Flanieren seine schönsten Seiten gezeigt. Dass wir unser ungarisches Bargeld am Ende nicht durch Souvenirs, sondern durch einen sündhaft teuren, 52-prozentigen „Echten-Männer-Pálinka“ auf den Kopf gehauen haben und die Kreditkarte glühen musste, setzt diesem genialen Städtetrip die absolute Krone auf. Budapest, du warst spitze!



Tag 11– Vom Pforten-Streik in Budapest zum Wiener Schmäh und Heurigen-Glück
Zugfahrt nach Wien, Sightseeing und Heuriger in Grinzing
Datum: Montag, 04.05.2026
Heute hieß es leider Abschied nehmen von Budapest – und das ein kleines bisschen früher als sonst, denn wir wollten zeitig am Bahnhof Keleti einradeln. Unser Ziel: Der Railjet nach Wien, für den wir brav zwei der heiß begehrten Fahrradplätze reserviert hatten.
Doch direkt nach dem Frühstück wartete die erste kleine Prüfung des Tages auf uns: Die automatische Glastür am Haupteingang unseres ansonsten so super genialen Hotels streikte komplett und rührte sich keinen Millimeter. Also hieß es improvisieren. Wir mussten unsere bepackten Räder und das ganze Gepäck mühsam durch einen ziemlich schmalen Gang und über eine kleine Treppe zu einem Nebenausgang bugsieren. Aber Radler-Profis schockt so schnell nichts – da wir ohnehin immer mit reichlich Puffer planen, waren wir trotz des morgendlichen Berufsverkehrs in Budapest, der uns ebenfalls etwas mehr Zeit als gedacht kostete, immer noch absolut super in der Zeit.
Am geschäftigen Bahnhof Keleti angekommen, stand unser Railjet nach Wien auch schon fahrbereit am Gleis. Wir konnten ganz gemächlich einsteigen und die Räder ohne Hektik an den vorgesehenen Plätzen verstauen. Zwar mussten wir unsere gemütlich ergatterten Sitzplätze kurz vor der Abfahrt noch einmal räumen, weil eine vierköpfige japanische Familie genau diese Plätze reserviert hatte, aber das war absolut kein Problem. Die pünktliche Fahrt nach Wien verlief wie am Schnürchen. Wir hatten sogar das Riesenglück, dass der Zug außerplanmäßig Endstation in Wien machte. Dadurch gab es beim Aussteigen kein Drängeln durch Weiterreisende, und wir hatten alle Zeit der Welt, um ganz stressfrei mit den Rädern auf den Bahnsteig zu klettern.
Von dort aus war es nur ein Katzensprung zu unserem Hotel Ibis Wien City am Margarethengürtel. Kurzer Check-in, Ballast abwerfen und ab zur, nur ein paar Schritte entfernten U-Bahn-Station – wir wollten schließlich ohne Verzögerung direkt in die Wiener Innenstadt!
Wir hatten da nämlich noch eine offene Rechnung zu begleichen: Bei unserem letzten Wien-Besuch im März hatten wir es sträflich geschwind versäumt, ein klassisches Wiener Kaffeehaus von innen zu sehen. Das sollte sich jetzt ändern! Unsere Wahl fiel auf das legendäre Café Landtmann am Rathausplatz, direkt neben dem Burgtheater. Gegründet 1873, gilt es als die Institution der Wiener Kaffeehauskultur schlechtweg – hier gingen schon Sigmund Freud, Marlene Dietrich und unzählige Politiker ein und aus.
Wir stiegen an der U-Bahn-Station Rathaus aus und wollten eigentlich ganz romantisch durch den Rathauspark zum Café spazieren. Pustekuchen! Der gesamte Park war komplett abgeriegelt und wegen der Aufbau- und Vorbereitungsarbeiten für den bevorstehenden Eurovision Song Contest (ESC) gesperrt. Na ja, dann eben außen herum. Wir nutzten den Umweg für ein schickes Foto vom imposanten Burgtheater – der Westeuropas größten Sprechbühne, die mit ihrer prachtvollen Neorenaissance-Fassade von der Nachmittagssonne angestrahlt wurde –, und traten ein ins Landtmann und ließen uns dann aber draußen unter einem Sonnenschirm nieder.
Für Isabella gab es einen „Fiaker“ (schwarzer Kaffee im Glas mit viel Zucker und einem Schuss Kirschwasser), für mich einen klassischen „Verlängerten“ und ein Zwickelbier der Wiener Traditionsbrauerei Ottakringer. Als der Ober meinte, die 0,33-Liter-Flasche sei die offizielle „Probiergröße“, entschied ich mich spontan und mutig für die standesgemäße 0,5-Liter-Standardgröße zum Testen. Urteil: Schmeckte herrlich! Sich hier von den herrlich versnobt angezogenen, aber insgeheim super freundlichen Obern mit echtem Wiener Schmäh bedienen zu lassen, war absolute Extraklasse. Und eine freudige Überraschung gab es obendrauf: Die Rechnung war am Ende gar nicht mal so teuer, wie wir im Vorfeld befürchtet hatten. Hier, unter den Sonnenschirmen, fällten wir auch den spontanen Entschluss, den späten Nachmittag in Grinzing beim Heurigen ausklingen zu lassen.
Vom verschlafenen Donaukanal zum dörflichen Grinzing
Nachdem die Gläser geleert waren, spazierten wir den Schottenring hinab. Diese Prachtstraße ist ein absolutes Prunkstück der Wiener Ringstraße, gesäumt von monumentalen Palais der Kaiserzeit und der imposanten, ziegelroten Alten Börse. Man läuft hier vorbei an gewaltigen Säulen und reich verzierten Fassaden des Historismus, die den puren Reichtum des späten 19. Jahrhunderts widerspiegeln – ein wirklich herrschaftlicher Weg hinab zum Donaukanal.
Der Name und die Schotten: Seinen Namen verdankt dieser Abschnitt dem nahegelegenen Schottenstift (einem Benediktinerkloster). Das Kuriose: Gegründet wurde es im 12. Jahrhundert gar nicht von Schotten, sondern von iroschottischen (irischen) Mönchen. Da man die damals im Sprachgebrauch aber alle als „Schotten“ bezeichnete, blieb der Name hartnäckig hängen.
Die Wiege des Welthandels (Die Alte Börse): Das unübersehbare, ziegelrote Prachtbauwerk am Schottenring ist die Alte Börse. Sie wurde vom selben Architekten (Theophil von Hansen) erbaut, der auch das Wiener Parlament entworfen hat. Im Inneren befindet sich einer der prunkvollsten Säulensäle Wiens. Heute wird dort zwar nicht mehr mit Aktien gehandelt, aber die Architektur im Stil der Neorenaissance ist atemberaubend.
Paläste der Elite (Ringstraßenpalais): Der Schottenring war im späten 19. Jahrhundert die absolute Top-Adresse für das neureiche Bürgertum, Bankiers und Industrielle. Gebäude wie das Palais Ephrussi oder das Palais Deutschmeister zeugen vom unfassbaren Reichtum dieser Epoche. Die Fassaden sind so reich mit Figuren, Balkonen und Säulen verziert, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt.
Architektonische Symmetrie: Typisch für den Schottenring ist der sogenannte Historismus. Das bedeutet, dass sich die Architekten schamlos an den besten Stilen der Vergangenheit bedient haben – ein bisschen antikes Griechenland, eine Prise italienische Renaissance und fertig war der kaiserliche Prunklook, der die Straße bis heute so herrschaftlich wirken lässt.
Laut Auskunft der KI sollte unten am Donaukanal so richtig „die Hölle los“ sein – das Epizentrum des Wiener Summer-Vibes. Als wir dort ankamen, wirkte die Szenerie allerdings herrlich verschlafen; von Partytrubel keine Spur. Macht nichts! Am belebten Schwedenplatz gönnten wir uns im kühlen Schatten einen kleinen Imbiss, bevor es mit der U-Bahn zurück zum Schottentor und von dort mit der Tram direkt hinaus nach Grinzing ging.
Die halbstündige Fahrt im Wagen der Wiener Linien war wunderschön. Wir drückten uns die Nasen an den Scheiben platt und beobachteten fasziniert, wie die Großstadt Meter für Meter zurückwich und Wien mit jedem Vorort immer dörflicher, grüner und gemütlicher wurde.
Grinzing – Das Dorf in der Weltstadt: Grinzing ist der wohl berühmteste Heurigenort Wiens. Es liegt am Fuße des Wienerwaldes und hat sich trotz der Eingemeindung seinen urigen, dörflichen Charakter mit den schmalen Gassen, barocken Häuserfassaden und den typischen, grün gestrichenen Hoftoren bewahrt. Prominente wie Beethoven, Schubert und Johann Strauß kamen schon hierher, um den jungen Wein zu genießen. Ein Heuriger darf sich übrigens nur so nennen, wenn er Wein aus eigenem Wiener Anbau ausschenkt.
Nur ein paar Schritte von der Endstation der Tram in Grinzing entfernt – diesem weltberühmten, idyllischen Winzerdorf, das sich mitten in der Großstadt seinen barocken Charme bewahrt hat – wurden wir auch schon fündig: Beim Traditionsheurigen „Alter Bach-Hengl“ waren die Pforten weit geöffnet, und wir kehrten selig ein. Das Lokal ist der absolute Inbegriff eines Wiener Heurigen und blickt auf eine unglaubliche, über 800-jährige Geschichte zurück. Wo einst schon Kronprinz Rudolf und Kaiser Franz Joseph ihren Wein tranken, machten wir es uns im wunderschönen, weinumrankten Innenhof gemütlich.
Ab 18 Uhr bogen dann auch noch die Musiker um die Ecke und spielten live traditionelle Wiener Schrammelmusik mit Geigen und Knoflharmonika – eine Musikrichtung, die damals im 19. Jahrhundert genau hier in diesem Haus durch die legendären Gebrüder Schrammel berühmt gemacht wurde. Gemütlicher ging es beim besten Willen nicht mehr! Drei Schoppen süffiger, frisch gezapfter Heuriger und ein knackiger, herrlich krosser Backhendlsalat machten diesen absolut letzten Abend unserer großen Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. Gemütlich war's!
Spät am Abend ging es mit der Tram und der U-Bahn wieder zurück in Richtung Margarethengürtel. Zugegeben: Wir waren beide ein bisschen angetrunken, aber unendlich glücklich und todmüde, als wir schließlich in unsere Hotelbetten fielen.




Tag 12– Der Kreis schließt sich: Die große Heimreise und der finale Gepäck-Transport
Heimreise
Datum: Dienstag, 05.05.2026
Der letzte Tag unserer Reise begann, wie es sich gehört, mit einem gemütlichen Frühstück im Hotel. Nachdem wir uns ausgiebig gestärkt hatten, holten wir unsere treuen Räder aus der Tiefgarage. Beim Bepacken und Aufrüsten der Drahtesel vor dem Hotel machten wir direkt eine nette Bekanntschaft: Wir trafen ein anderes radreisendes Paar, das aus dem Münsterland stammte. Nach einem kurzen, sympathischen Austausch schwangen wir uns in den Sattel und rollten zurück zum Hauptbahnhof.
Unser Plan für die Rückreise stand: Mit dem Zug sollte es über Linz zurück nach Passau gehen. Als wir am Bahnhof Wien-Meidling hielten, staunten wir nicht schlecht – genau dort stieg das Paar aus dem Münsterland ebenfalls in unseren Zug zu! So verging die lange Bahnfahrt wie im Flug, denn wir hatten bis Passau jede Menge hervorragende Gespräche über Routen, Erlebnisse und das Radlerleben im Allgemeinen.
In Passau angekommen, gönnten wir uns im Bahnhof einen kurzen Kaffee-Aufenthalt zum Beinevertreten und Durchatmen. Danach ging es auf die letzte Bahnetappe: Mit zweimal Umsteigen im niederbayerischen Plattling und Straubing steuerten wir zielsicher unseren Zielbahnhof in Bogen an.
Hier, am Fuße des Bayerischen Waldes, hieß es dann: Satteln zum allerletzten Mal! Wir stiegen wieder auf unsere Räder, um die finalen 12 Kilometer bis nach Hause standesgemäß auf zwei Rädern zurückzulegen. Nach den ersten drei Kilometern legten wir beim Aldi noch einen kurzen Zwischenstopp ein, um ein paar Besorgungen für das Abendessen in den eigenen vier Wänden zu machen. Und genau dort meinte es das Schicksal noch einmal richtig gut mit uns: Wie der Zufall es wollte, trafen wir am Supermarkt ausgerechnet unsere Schwiegertochter!
Sie zögerte nicht lange und vollbrachte eine gute Tat: Dankenswerterweise nahm sie uns das schwere Gepäck für die verbleibenden 9 Kilometer ab und verstaute es kurzerhand im Kofferraum ihres Autos. Was für eine Erleichterung! Denn diese letzten Kilometer führten uns größtenteils bergauf nach Hause. Ohne die schweren Packtaschen kurbelte es sich fast wie von selbst nach oben.
Überglücklich, tief zufrieden und mit einem breiten Grinsen im Gesicht rollten wir schließlich zu Hause ein. Hinter uns lagen insgesamt 900 epische Kilometer im Sattel! Das größte Glück wieder mal dabei: Wir hatten über die gesamte Strecke keine einzige Panne an den Fahrrädern zu beklagen und blieben von jeglichen Gesundheitsproblemen verschont. Eine schlichtweg fantastische Radreise durch Bayern, Österreich und Ungarn lag hinter uns – vollgepackt mit unvergesslichen Momenten, kaiserlichem Frühstück, sündhaft teurem Pálinka und bestem Wiener Schmäh.
Zum krönenden Abschluss des Tages machten wir es uns bei einer gemütlichen, bayerischen Brotzeit und ein paar wohlverdienten, kühlen Bieren gemütlich. Danach ging es unter die Dusche und endlich ab ins geliebte, eigene Bett!
Abschluss-Fazit der gesamten Tour:
900 Kilometer, drei Länder, unzählige Eindrücke und eine unkaputtbare Harmonie im Sattel. Von Perasdorf über Passau, Linz und Melk bis zum Balaton und über Budapest bis nach Wien haben wir alles erlebt, was eine perfekte Radreise ausmacht. Keine Pannen, keine Blessuren, dafür jede Menge Humor und unbezahlbare Erinnerungen. Es war einfach absolut genial!

powered by TARIFCHECK24 GmbH
