Wien
15.03.26 - 18.03.26
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Zusammenfassung einiger Highlights
1. Tag : Wiener Walzer zwischen Prachtbauten und Promi-Gräbern
Am 15. März fiel der Startschuss für unsere diesjährige Musical-Expedition nach Wien, der Stadt, in der selbst das Granteln eine Kunstform ist. Von Plattling aus glitten wir im ICE – bemerkenswert pünktlich und komfortabel – direkt in den Wiener Hauptbahnhof ein. Ein echter Profi-Tipp für alle, die nicht als Melkkuh der Wiener Linien enden wollen: Die Vienna City Card. Direkt am Bahnhof aktiviert, mutierten wir zu logistischen Genies. Ob U-Bahn, Tram oder Bus – wir waren für vier Tage die Könige des ÖPNV und bekamen obendrein Rabatte, die unser Reisebudget sanft streichelten. Nach dem Check-in im Hotel Westbahn am Westbahnhof hieß es dann: Schuhe binden und raus in die Stadt.
Wir starteten klassisch und schlenderten an den Prachtbauten des Natur- und Kunsthistorischen Museums vorbei – diese Zwillingsbauten sind so gewaltig, dass man schon vom reinen Ansehen Wadenmuskelkater bekommt. Weiter ging es zur Hofburg, dem ehemaligen Machtzentrum der Habsburger, und schließlich zum Stephansdom. Da uns die Warteschlangen vor den Eingängen eher an eine Audienz beim Papst erinnerten, beließen wir es bei der Außenansicht. Statt Weihrauch gab es Würstel: Ein echtes Wiener Würstel am Stand beim Dom ist quasi die Pflicht-Taufe für jeden Touristen.
Da das Wetter so unverschämt gut war, entschieden wir uns für einen Ausflug zum Zentralfriedhof. Klingt vielleicht morbid, aber in Wien ist der Friedhof eher ein luxuriöses Immobilienprojekt für die Ewigkeit. Mit der U3 nach Simmering und dann mit der Bim bis Tor 2, dem Haupteingang. Die Grabmäler dort sind teilweise gigantisch und wirken größer als eine durchschnittliche bayerische Doppelhaushälfte. Wir machten uns auf den Weg zur „High Society“ des Jenseits. Neben dem monumentalen Grab von Ludwig van Beethoven und dem eleganten weißen Marmor-Flügel von Udo Jürgens besuchten wir auch die Ruhestätten von Johannes Brahms und Franz Schubert, die dort in musikalisch hochkarätiger Nachbarschaft liegen. Auch Hans Moser, das Urgestein des Wiener Films, und der unvergessene Curd Jürgens haben hier ihren festen Wohnsitz bezogen.
Besonders gespannt waren wir auf Falcos Grab, doch hier kam die KI ins Spiel. Gemini behauptete steif und fest, der „Kommissar“ läge quasi direkt um die Ecke. Tatsächlich durften wir entgegen der digitalen Beschreibung noch einen satten halben Kilometer durch die Totenstille latschen. Danke für die zusätzliche Trainingseinheit, liebes Internet! Nach diesem ausgiebigen Marsch durch die Geschichte – immerhin liegen auf diesem Areal mehr Menschen begraben, als Wien derzeit lebende Einwohner hat – ging es zurück in die Innenstadt.
Der Versuch, zum Abendessen einen Tisch beim legendären Figlmüller zu ergattern, um ein Schnitzel in der Größe eines Wagenrads zu verspeisen, endete allerdings mit einem freundlichen, aber bestimmten Wiener „Na, ois besetzt“. Also Plan B: Unser altbewährtes Hard Rock Cafe. Keine Experimente, dafür ordentliche Burger, kühles Bier und Musik, bei der man nicht mitschunkeln muss. Zum krönenden Abschluss gönnten wir uns noch einen Absacker in der Rot12 Bar, bevor uns die Metro zurück ins Hotel brachte. Ein wirklich ausgiebiger und gelungener erster Nachmittag in der Kaiserstadt.



2. Tag: Grenzhopping und Kronleuchter-Glanz
Nach einem Frühstück, das die nötige Grundlage für einen grauen Montagmorgen legte, tauschten wir das Wiener Pflaster gegen die Schienen und fuhren mit dem Regionalzug nach Bratislava. Die slowakische Hauptstadt empfing uns als charmante Mischung aus historischer Eleganz und kleinen, versteckten Winkeln. Unser Weg führte uns direkt hinauf zur Burg Bratislava, dem massiven weißen Wahrzeichen mit seinen vier markanten Ecktürmen. Die Anlage, die nach einem Brand im 19. Jahrhundert fast 150 Jahre lang eine Ruine war, thront heute wieder stolz auf einem Felsen über der Donau. Von dort oben hat man einen Logenplatz mit Blick auf den Fluss und die markante UFO-Brücke, deren Aussichtsplattform tatsächlich wie ein gelandetes Raumschiff aussieht.
Der Abstieg in die Altstadt über steile Gassen fühlte sich wie eine kleine Zeitreise an. Wir passierten das Michaelertor, das einzige erhaltene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit seinem markanten Kupferdach, und schlenderten über den Hauptplatz (Hlavné námestie), an dem das Alte Rathaus und der Maximiliansbrunnen stehen. Natürlich durfte der gotische Martinsdom nicht fehlen, in dem früher die ungarischen Könige gekrönt wurden. Neben dem berühmten Kanalarbeiter „Čumil“, der verschmitzt aus seinem Gullydeckel lugt, begegneten wir auch dem „Schönen Náci“, einer Statue eines legendären Stadtoriginals, der stets mit Zylinder die Passanten grüßte. Kulinarisch landeten wir einen Volltreffer im Factory Pub. Das Pilsner Urquell war erstklassig, aber der Kellner war die eigentliche Attraktion – ein echter Verkaufsprofi, der uns nicht nur zu einem fantastischen Windbeutel, sondern auch noch zu einem Absacker-Schnaps überredete.
Wieder zurück in Wien starteten wir einen regelrechten Besichtigungsmarathon. Vom Hauptbahnhof ging es direkt zum Schloss Belvedere, einem der prachtvollsten Barockensembles Europas. Die Anlage besteht aus dem Oberen und Unteren Belvedere, die durch einen terrassenförmigen Garten verbunden sind. Dieser Garten ist ein geometrisches Meisterwerk mit Wasserspielen und mythologischen Skulpturen, das im Frühling besonders durch die blühende Orangerie besticht.
Weiter spazierten wir zur Karlskirche, deren gewaltige grüne Kuppel und die zwei 33 Meter hohen Reliefsäulen (inspiriert von der Trajanssäule in Rom) jeden Blick magisch anziehen.
Vorbei an der Technischen Universität und der Kunsthalle erreichten wir schließlich die Kärntner Straße. Diese Flaniermeile ist das Herzstück der Wiener City; hier mischen sich Luxusboutiquen mit traditionsreichen Kaffeehäusern und Straßenkünstlern zu einer ganz eigenen, geschäftigen Atmosphäre. Am Ende der Straße ragt die Wiener Staatsoper auf. Das „Erste Haus am Ring“ ist nicht nur architektonisch mit seinem Neorenaissance-Stil ein Juwel, sondern als eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt auch das emotionale Zentrum der Musikstadt.
Das Hotel Sacher ließen wir links liegen und gönnten uns stattdessen einen Aperitif im stilvollen Cafe de l’Europe direkt am Graben. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel zog es uns für das kulinarische Finale wieder in die Stadt. Da uns das Glück beim Figlmüller gestern nicht hold war, steuerten wir das Restaurant Lindenkeller in der Rotenturmstraße an. Ein Lokal wie aus dem Bilderbuch: Schwere Kronleuchter, dunkles Holz und eine Atmosphäre, die so „Wien“ ist, wie es nur geht. Das Essen war zwar kein Schnäppchen, aber jeden Cent wert – ein würdiger Abschluss für diesen ereignisreichen Zwei-Länder-Tag.
3. Tag - Vom Sattel in die Gruft: Ein Dienstag im Zeichen der Habsburger
Der Dienstagmorgen begrüßte uns mit noch schlechterem Wetter – echtes „Schiach-Wetter“, wie der Wiener sagen würde. Ein Glück, dass wir Karten für das morgendliche Training in der Spanischen Hofreitschule ergattert hatten. Die Winterreitschule in der Hofburg ist ein barockes Juwel von Joseph Emanuel Fischer von Erlach: Ein strahlend weißer Saal mit riesigen Kronleuchtern und zwei prächtigen Galerien. Eine gute Stunde lang beobachteten wir die jungen Lipizzaner-Hengste bei ihren Lektionen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die grauen „Youngsters“ langsam zu den stolzen weißen Stars heranreifen, für die diese traditionsreiche Institution weltberühmt ist.
Gleich ums Eck tauchten wir in der Hofburg tiefer in die kaiserliche Geschichte ein und besuchten das Sisi Museum. In den authentischen Kaiserappartements wird das Leben von Kaiserin Elisabeth fernab des Kitsch-Images erzählt. Man wandert durch das Turn- und Toilettenzimmer, wo sie täglich stundenlang ihre Haare pflegen ließ, und sieht ihr Schreibzimmer sowie das offizielle Audienzwartezimmer. Das Museum zeichnet das Bild einer Frau, die am starren Wiener Hofprotokoll fast zerbrach und sich in ihre eigene Welt aus Sport, Diäten und Reisen zurückzog.
Da die Schatzkammer dienstags leider ihre Pforten geschlossen hielt, wichen wir auf ein etwas morbideres Programm aus.
Über den Neuen Markt steuerten wir die Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche an. Ein wahrlich geschichtsträchtiger Ort, an dem bis 2024 die Gebeine fast aller Habsburger ihre letzte Ruhe fanden. Die Sarkophage sind von einer Pracht, die fast einschüchternd wirkt – allen voran der riesige Doppelsarkophag von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan, der mit unzähligen Figuren und Verzierungen alles andere überragt. Im krassen Gegensatz dazu stehen die eher schlichten Särge von Kaiser Franz Joseph und Sisi. Besonders spannend ist das Bestattungsritual der Habsburger: Die „Getrennte Bestattung“ sah vor, dass der Körper in der Kaisergruft, das Herz in der „Herzgruft“ der Augustinerkirche und die Eingeweide in den Katakomben des Stephansdoms bestattet wurden.
Nach einer kurzen Pause im Hotel machten wir uns schick für den kulturellen Höhepunkt: Das Musical „Maria Theresia“ im geschichtsträchtigen Ronacher. Das Theater selbst ist eine Augenweide – 1872 als Etablissement Ronacher eröffnet, versprüht es heute eine Mischung aus historischem Glanz und modernster Bühnentechnik. Das Musical setzt der großen Kaiserin ein modernes Denkmal und beleuchtet ihre Rolle als Herrscherin und Mutter in einer Männerwelt. Bevor der Vorhang aufgezogen wurde, stärkten wir uns noch im Cafe de l’Europe, um nicht mit knurrendem Magen die kaiserlichen Melodien genießen zu müssen.
Den Rückweg zum Hotel legten wir zu Fuß über die Liliengasse zurück. Ein kurzer Stopp bei der legendären
Eden Bar war Pflicht – beim Blick auf die Aushänge liest sich die Gästeliste wie das „Who is Who“ der Weltprominenz. Den Abend ließen wir schließlich bei einem Absacker in unserem bewährten Cafe de l’Europe Revue passieren. Wir waren uns einig: Ein Tag voller kaiserlicher Kontraste.
4. Tag : Kaiserliches Finale im Sonnenschein: Von Schönbrunn zurück nach Niederbayern
Der Mittwochmorgen versöhnte uns mit strahlender Frühlingssonne, was uns prompt dazu veranlasste, die staubigen Schätze der Schatzkammer links liegen zu lassen und stattdessen das „Sommerhaus“ der Habsburger anzusteuern: Schloss Schönbrunn.
Die ehemalige Residenz von Kaiserin Maria Theresia ist mit seinen 1.441 Zimmern und der leuchtend gelben Fassade – dem berühmten „Schönbrunner Gelb“ – der Inbegriff barocker Pracht. Wir schlenderten durch die weitläufigen Parkanlagen, vorbei an kunstvoll gestutzten Hecken und Brunnen, bis hinauf zur Gloriette. Dieser prachtvolle Arkadenbau auf dem Hügel wurde ursprünglich als „Blickfang“ und Speisesaal konzipiert und belohnt heute jeden, der den Aufstieg wagt, mit dem wohl besten Postkartenblick über das Schloss und ganz Wien.
Auf dem Rückweg konnten wir nicht widerstehen und machten einen Abstecher in den Tiergarten Schönbrunn. Er ist nicht nur der älteste Zoo der Welt, sondern wurde bereits mehrfach als bester Zoo Europas ausgezeichnet. Das Besondere ist die gelungene Verbindung von modernster Tierhaltung und historischem Barock-Ambiente. Das Herzstück ist der Kaiserpavillon, ein achteckiges Juwel mit prunkvollen Deckenfresken, in dem früher die kaiserliche Familie frühstückte. Wir taten es ihnen gleich – wenn auch etwas bescheidener – und gönnten uns dort eine klassische Frittatensuppe. Diese Wiener Institution aus kräftiger Rinderbrühe und feinen Pfannkuchenstreifen war der perfekte herzhafte Snack unter kaiserlichen Decken.
Zurück in der Innenstadt stand der obligatorische Abschiedskaffee auf dem Programm, doch Wien prüfte unsere Flexibilität ein letztes Mal. Das legendäre Cafe Central hatte sich pünktlich nach dem Wochenende in die Renovierungspause verabschiedet. Nach einer kurzen „intensiven Abstimmung“ über die zu erwartende Warteschlange fiel die Wahl schließlich auf das Cafe Demel am Kohlmarkt. Als ehemaliger k.u.k. Hofzuckerbäcker ist der Demel für seine Schaubackstube und das Personal bekannt, das die Gäste traditionell in der dritten Person („Haben schon gewählt?“) anspricht. Ein „Fiaker“ – ein starker schwarzer Kaffee im Glas mit viel Zucker und einem Schuss Kirschwasser – war der standesgemäße flüssige Abschiedsgruß an die Stadt.
Dann hieß es: Endspurt. Wir holten unsere Koffer im Hotel Westbahn ab und machten uns auf zum Hauptbahnhof, denn der ICE nach Plattling wartet bekanntlich auf niemanden. Die Heimfahrt verlief ebenso gemütlich und pünktlich wie die Anreise. Am Abend kamen wir mit einer Menge Gesprächsstoff, leicht müden Beinen und unzähligen kaiserlichen Eindrücken wieder zu Hause an. Wien, es war uns eine Ehre!
Fazit!
Eine Reise, die mit Würsteln am Dom begann und mit einem Fiaker-Kaffee beim Demel endete – Wien hat uns mal wieder gezeigt, dass man hier am besten zwischen Geschichte, Genuss und einer gesunden Portion Improvisation wandelt.
Anregungen, Lob und/oder Kritik oder einfach ein "Gefällt mir" bitte ins Gästebuch eintragen.
Dankeschön!
Wer mehr Details von dieser Reise wissen will, kann mir gerne mit dem
Betreff: "Maria Theresia" an meine e-mail Adresse schreiben: wgrill@web.de.







